Server 2016 Arbeitsordner

Ich bin offenbar schon viel zu lange weg vom Thema Server-Administration, und so wurden einige Features eingeführt, die klanglos an mir vorübergegangen sind.

Windows Work Folders, zu Deutsch Arbeitsordner, gehören auch dazu.

Doch nun mit einem neuen Domain Controller bietet sich die Chance das nachzuholen.

Mein Festplatten Crash hat natürlich auch die eine oder andere private Datei vernichtet, die ich zur Zwischenarchivierung auf den Dateiserver kopiert und von meinem Rechner gelöscht hatte.

Tja, dumm gelaufen.

Daher begann ich mit der Suche nach Lösungen für Dateisynchronisierungen.

Ich war schon kurz davon eine Linux VM für NextCloud zusätzlich hochzufahren, als ich mir dachte: Nö, ich will das ans Active Directory angebunden haben … und wie die Erfahrung zeigt, bekommen das Linux Lösungen nie vollständig hin.

Zufällig stieß ich auf Arbeitsordner, die mit Server 2012 R2 eingeführt wurden.

Kurz gesagt: Man kann sich seinen eigenen One-Drive aufsetzen und auf den Clients einbinden. Änderungen am Client werden auf den Server übertragen und von dort auf alle anderen Clients synchronisiert.

Das online und offline Arbeiten wird mit der Lösung attraktiv, weil es auch Client-Apps für Android und iOS gibt.

Mir schoss natürlich gleich in den Kopf: Ha! Das hätte den Crash natürlich abgefedert, weil nach dem Server-Ausfall alle Dateien ja noch am Client geblieben wären … aber nein, ich musste ja alles direkt auf dem ungesicherten Netzlaufwerk speichern …

Das Setup ist recht einfach. Man erstellt einen Ordner, der im Work Folder Wizard angegeben wird. Und der Windows Server richtet dann selbstständig Unterordner für jeden User beim ersten Zugriff ein.

Workfolders sind also der ideale Ersatz für die alten “Home-Laufwerke”.

Auf dem Windows 10 Client findet man in den Systemsteuerungen dann ebenfalls “Work Folders” bzw. “Arbeitsordner”, wo man die Server-Adresse und einen lokalen Zielordner angeben muss.

Fertig!
Das einzige, was zuvor korrekt konfiguriert werden muss, ist ein gültiges Server-Zertifikat. Doch das war bei meinem Active Directory und IIS Setup ohnehin schon vorhanden.

Einziger Nachteil: Der IIS darf nicht gleichzeitig auf Port 443 lauschen. Denn alle Verbindungen laufen über SSL ab und nicht über die üblichen Windows Dateifreigaben. Aber auch das ist bei mir kein Problem, denn der zweite HTTPS-Dienst Bonobo GIT wurde auf einem anderen Port eingerichtet.

Für Windows 7 soll es auch Synchronisations-Software geben, aber so weit bin ich aktuell noch nicht.

Jetzt beobachte ich mal, wie sich der neu entdeckte Dienst verhält und wenn alles gut geht, dann wird ausgebaut.


Eines muss man aber klar festhalten: Arbeitsordner stellen Daten für Benutzer getrennt zur Verfügung. Sie sind nicht dafür gedacht, dass mehrere Personen gleichzeitig auf einem zentralen Datenspeicher arbeiten.
Soll heißen: Teams brauchen weiter ihr Teamlaufwerk oder Sharepoint … oder was anderes.

Und natürlich ersetzt mir dieses neue Feature NICHT ein ordentliches Backup. Deshalb ist es ja auch gut, wenn von Zeit zu Zeit was verloren geht, denn dann - und nur dann - wird mit der Nachlässigkeit Schluss gemacht und man lernt nebenbei neue alte Storage-Lösungen kennen.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!