IP Sicherheitskameras

Aus gegebenem Anlass teste ich gerade eine IP Kamera, die in Zukunft den Eingangsbereich am Zweitwohnsitz “im Auge behalten” soll.

Wieviel Sicherheit kann man mit einem niederpreisigem Gerät erreichen?


Mit dem Thema “Sicherheit” wurde immer schon viel Geld verdient. Und wenn sich der Verdacht häuft, dass “dunkle Gestalten” nahe am Wohnort herumlungern, kann es nicht schaden - so denkt der besorgte Bürger - wenn ein digitaler Wächter alles im Blick behält.

Ab 15 Euro beginnen die Angebote für Kameras im Haus, die man über das Netz abfragen kann und ab 35 Euro erhält man “wasserfeste” Modelle, die von der Außenwand Bilder der Umgebung aufzeichnen.

Ich habe mir mal so ein Einsteigermodell zusenden lassen um es mal in meiner Wohnung zu testen, bevor es am Zielort montiert wird.

IP Security Camera

Nachsicht

Nachtsicht” (Nightvision) ist hier die wichtigste Funktion und eine eben solche ist tatsächlich integriert und funktioniert auf den ersten Blick ganz gut. Ich konnte auf Distanzen von 5 Metern einen dunklen Raum gut aufzeichnen und am Monitor bzw. der Smartphone-App jede Bewegung mitverfolgen.

Laut Infoblatt sollen 10 Meter drinnen sein, doch das werde ich wohl erst am endgültigen Montageort überprüfen können.

Fenster sind leider ein natürliches Hindernis für die Nachtsichtfunktion. Bei Tag kann man zwar relativ problemlos von innen nach außen blicken, doch nachts spiegelt das Glas so intensiv zurück, dass man von der Umgebung nichts mehr wahrnehmen kann.
Eine “echte” Außeninstallation ist also erforderlich.

Schnittstellen

IP-Cam bedeutet Netzwerk. Mein Modell kann über WLAN erreicht werden, stellt aber auch eine LAN RJ45 Buchse bereit. Und dieses Feature zahlt sich meines Erachtens aus. Ein WLAN “out-of-the-box” Setup ist zwar vorgesehen, in dem die Kamera zuerst als Access-Point mit einem Standard-Passwort hochfährt und dann umkonfiguriert werden kann um sich ins bestehende Heim-WLAN zu verbinden, doch wenn es hier Änderungen gibt, würde immer nur ein Rücksetzen auf den Werkzustand helfen.

Per LAN kann man einfach seinen Laptop anschließen, und sofort auf die Kamera per Browser zugreifen und ihre Einstellungen abändern.

Ein anderes Problem offenbarte sich nach ein paar Tagen, als Kamera und WLAN Router einfach nicht mehr miteinandern reden wollten. Hierfür musste ich beide Geräte neustarten.
Das heißt also in der Praxis: Man sollte täglich sowohl WLAN-Router als auch die Kamera durchstarten lassen, damit man eventuelle Kommunikationshänger wegbekommt.

Wenn man dann noch eine SD-Karte einsetzt lassen sich Aufnahmen auch direkt auf der Kamera speichern und dann als Video-Datei herunterladen.
Das ist schon mal nicht schlecht … ansonsten müsste man zwecks “Beweisführung” stets ein anderes System mitlaufen lassen, das aufzeichnet. Die Aufzeichnung lässt sich auch auf “nur bei Bewegungserkennung” einstellen. Aber ob dann jedes vom Baum fallende Blatt ebenso einen Schnappschuss auslöst, werden wir erst in der Praxis feststellen können.

Software

Am meisten ärgert es micht, wenn man “richtige” Software nur noch für Android Smartphones bekommt, und dort auch noch Anforderungen gestellt werden. Und das war auch hier der Fall.

Die “App” ist zwar gut aufgebaut und unterstützt das Suchen und Finden der Kamera im Netz, fordert aber alle möglichen Rechte auf dem Gerät ein und lässt mich mit dem Eindruck zurück, ich hätte dem Hersteller nun Haus und Hof geöffnet.

Positiv ist aber der Bewegungsalarm, der je nach Einstellung laut oder leise mitteilt, dass die Kamera eine Bewegung aufgezeichnet hat.

Zwar lässt sich die Kamera auch im Browser vom PC aus steuern, aber hier gibt es einige Nachteile:

  • Ein Live-Video braucht Flash Support im Browser. Echt jetzt? Flash? Im Jahr 2020?
  • Man kann die Kamera natürlich nicht “suchen lassen”, sondern muss per Datenblatt ein WLAN mit entsprechendem Namen verbinden und dann die Standard-IPs im Browser abtippen.
  • Eine Bewegungserkennung mit Benachrichtigung gibt es hier natürlich auch nicht.

Warum gibt es nicht ein kleine kassische GUI Anwendung, die ähnliche Features wie die Smartphone-App bereitstellt. Ein solches Tool könnte man doch leicht z.B.: mit QT für Windows und Linux entwickeln und beilegen. … doch leider … solche Funktionen findet man offenbar selten.

Fazit

Mit 1020p liefert das Modell ordentliche Bilder und hat meine Anforderungen erfüllt. Besonders die Nachtsicht, die ich anfangs angezweifelt habe, hat mich überrascht.

Bin schon gespannt, ob sich das Teil im Echteinsatz auch behaupten können wird.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!