Codeberg: das bessere Github

Ich bin 2018 nur deshalb zu Bitbucket gegangen, weil man dort kostenlose private Repos anlegen konnte.
Erst ein Jahr später zogen Github und andere nach, doch einen Grund zur Migration gab es für mich keinen.

Mit Codeberg ist in Deutschland ein offener und kostenloser Git-Hoster aufgetaucht, der mich aber über einen Umzug nachdenken lässt:

Der Code liegt auf Servern in der EU … also “bei Freunden”.


Server-Politik

Ich habe bereits im Jahr 2005 gelernt, dass Software auf Servern innerhalb der USA durchaus “problematisch” sein können. Denn wer auch immer es sich mit der US-Regierung verscherzt, bekommt den Zorn in allen Geschäftsbereichen zu spüren.

Und so wird allen US-Unternehmen untersagt in irgend einer Form Handel mit Staaten zu betreiben, die nicht genehm sind. Und das betraf damals viele Länder, die in irgend einer Form mit Afghanistan oder dem Irak zu tun hatten.

Und heute trifft das vor allem die Umgebung von Russland.

Jetzt kann ich das durchaus nachvollziehen, dass ein Staat seinem Kriegsgegner kein “Ressourcen schenken” will, doch leider sind von solchen Sanktionen auch Open Source Projekte betroffen.
Das bedeutet, da wird gerade den Jungs und Mädels, die für eine fortschrittliche freie Gesellschaft stehen und die sich dort beteiligen wollen, der Zugang zu Wissen und der Zugang zur Beteiligungsmöglichkeit entzogen.
Und das darf eigentlich nicht sein.

Codeberg

Der Berliner Verein Codeberg e.V. hat vor ein paar Jahren ein gitea basiertes GIT Hosting gestartet, welches ähnlich zu Github und Konsorten ist, jedoch seinen Sitz innerhalb der EU hat und somit von den üblichen Spielen der “Großmächte” vorerst verschont ist.

Ich will jetzt nicht schlecht über Projekte auf Servern in anderen Staaten sprechen, aber wenn es um Rechtssicherheit und Eigenständigkeit geht, dann kann man sich aktuell auf die EU am ehesten verlassen, dass sie die Rechte der Bürger schützt.

Die Gesinnung des Projektes kann man auch nur positiv hervorheben, denn sie stellt die “Bewahrung freier Inhalte” in den Mittelpunkt. Und da das Projekt nun schon ein paar Jahre online ist, kann man davon ausgehen, dass die Starthürden bezwungen wurden.

Im Netz findet man eine stetig wachsende Gruppe von Anwendern, die mit den Diensten zufrieden sind.
Stand heute: 66000 Projekte von 52000 Benutzern.

Woodpecker CI

GIT ist nicht genug … heute braucht jeder CI (Continuous Integration). Soll heißen: Wird Code commited, muss ein Buildserver anspringen und das Projekt durchbauen.

Codeberg setzt hier auf Woodpecker-CI, welches Docker basierte Agents für Linux, MacOS und Windows anbietet.

Das ganze funktioniert genau so, wie in den meisten anderen CI-Systemen nur eben wieder mal mit einer etwas anderen Syntax: Man legt eine YAML Datei an, die eine Pipeline von Aufgaben definiert, wo man einen Docker-Image Pfad hinterlegt und dann die Build-Kommandos in Script-Form anfügt. Und am Ende kann das Ergebnis per Suchfilter gefunden und als Artefakt hochgeladen werden.

Also eigentlich super … nur eben wieder “ein bisschen” anders, als es Github, Gitlab oder Bitbucket tun.

Weitere Infos

Damit die Community verbunden bleibt, erhält man allgemeine Infos im Projekt-Blog. Oder man folgt dem Newsfeed auf Mastodon.

Einer aktiven Diskussion zu Funktionen oder Problemen kann man auf matrix.org beiwohnen.

Es ist also alles da, was ein modernes Community-basiertes Hosting-Projekt benötigt.

Fazit

Ich habe nun begonnen ein paar Test-Projekte auf der Plattform anzulegen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das GATE Projekt von Bitbucket zu Codeberg verschieben sollte, denn eigentlich bin ich mit Bitbucket zufrieden und habe keine “technischen” Grund, von dort abzuziehen.

Dennoch lege ich “mein Lebenswerk” lieber in die Hände der Community, als in die Schatulle eines kommerziellen Software Hauses, wie es bei Atlassian der Fall ist.

Naja … mal sehen, was die Zukunft bringen mag.