HAIKU, früher ZETA, früher BeOS

Ich trauere einem Projekt der 90er sehr hinterher, nämlich dem alternativen Betriebssystem BeOS.

Da wir heute nur noch Windows und Unix Derivate im freien Feld finden (und gelegentlich mal ein RTOS auf ‘ner MCU), ist das kreative Potential bei der OS Entwicklung auf Null gefallen.


Da es um das Jahr 2000 noch kein Internet in meinen Breiten gab (oder nur ein nicht-leistbares), waren Beilage-CDs diverser Computer-Magazine, die einzige Möglichkeit an neue Software zu gelangen.
Neben gefühlt 1000 Varianten von Geld- und Terminplanern, wie diversen Office-Zusätzen erhielt man so primär auch noch Updates für die aktuellen Windows Versionen.

Nach und nach schaffte es dann auch noch Linux auf diese Weise publiziert zu werden, aber dann war auch schon Schluss.

Ein Perle habe ich jedoch neulich wieder gefunden, nämlich eine CD mit dem damals neuen Betriebssystem BeOS.

BeOS CD

Das Multimedia-OS BeOS

Mir wurde BeOS von einem Schulkollegen damals so präsentiert:

Das ist wie Windows nur viel besser für Multimedia.

Obgleich ich das Attribut “besser” sofort anzweifelte, musste ich nach der ersten Test-Installation zugestehen, dass in mehreren Fenstern Videodateien abgespielt werden konnten, was unter Windows 98 “gerade mal so” möglich war auf der damaligen Pentium-1 Hardware.

BeOS ist ähnlich wie Windows ein primär grafisches Betriebssystem und optimiert daher seine Schnittstellen auf die Darstellung von UI Elementen. Es ist damit das genaue Gegenteil von Unix und Linux, die primär Datenströme verwalten und wo UIs erst als Beiwagen im Usermode nachgereicht wird.

Doch im Gegensatz von Windows zog BeOS auch schon damals nicht den fetten Rattenschwanz von DOS und Win3x Kompatibilität hinterher, sondern kümmerte sich nur um seine Kernkompetenz.

Da auch damals schon eine TCP/IP Anbindung ans Netz und Tools wie Mailclient und Browser dabei waren, sah es so aus, als könnte sich das neue OS tatsächlich gegen die bestehende Schar beweisen.

Eine Eigenschaft die heute als Nachteil ausgelegt wird, war die Single-User-Strategie. BeOS kannte keine Benutzeraccounts und verzichtete auf ein Berechtigungsmodell für Zugriffe auf Ressourcen und Dateien. Das macht das System natürlich (ähnlich wie DOS) schnell, verhinderte aber den Einsatz im Unternehmensbereich, wo unterschiedliche Nutzerprofile eine wichtige Anforderung darstellen.

C++ als Kernsprache

Damals war es revolutionär: BeOS nutzt C++ als Primärsprache, und nicht reines C. Während Windows und Linux bis heute auf C Funktionen als Schnittstellen aufsetzen, wählte BeOS den rein objektorientierten Ansatz und baute sein UI Framework nur auf C++ Klassen auf.

Daraus ergibt sich einerseits ein wesentlich eleganteres Codedesign, aber leider auch eine Abhängigkeit zum C++ ABI des eingesetzten Compilers. Somit war der Stand des GCC v2.x fix mit BeOS verdrahtet, was damals OK war, im Nachhinein aber Erweiterungen schwer machte.

Fazit

BeOS endete mit dem Ende des Unternehmens, welches es anfangs entwickelt hatte. Und da auch die Stärke einer Linux-Community fehlte, verschwand BeOS wieder von den Heft-CDs und geriet in Vergessenheit.

Ich erinnere mich, dass Anfang der 2000er noch Shopping-Kanäle im Kabelfernsehen den Nachfolger “Zeta-OS” zum Kauf anboten, was dem Ansehen meines Erachtens eher schadete.

Heute existiert zum Glück as HaikuOS Projekt, welches BeOS als Open Source Software nachbaut und bis heute aktiv ist.

Ich würde mir sehr wünschen, dass BeOS bzw. Haiku wieder zu den aktuellen Systemen aufschließt und somit eine Alternative zu unseren Windows und Linux-Monokulturen bereitstellt.

Das Schnittstellendesign ist gut obwohl bzw. weil es sich von der WinAPI und POSIX unterscheidet. Trotzdem existieren viele Portierung von POSIX APIs auf BeOS/Haiku, womit zahlreiche moderne Softwarepakte auch unter BeOS/Haiku angeboten werden können.

Also Leute: Nutzt BeOS!
Wir brauchen mehr Diversität im Betriebssystembereich!