Low Voltage RAM

Einmal nicht genau hingesehen und schon muss man 60 Euro zusätzlich ausgegeben.

Ich besitze jetzt also ein Mainboard, das meine Standard SO-DIMM DDR3 Riegel nicht verdauen kann. … Aha.

Tja, auch in der Hardware gibt es im Laufe der Zeit Veränderungen. Seit langem pflege ich mein “Atom-Kraftwerk”, also eine Reihe von kleinen Intel-Atom-ITX-Mini-Servern und ich habe mir bisher nie über die Spannungspegel der RAM Module einen Kopf gemacht.

Also wieder zum Händler meines Vertrauens bzw. zum einzigen der laut Geizhals und Homepage einen auf Lager hat und wo ich sofort hinfahren kann, um so einen “L” Riegel zu kaufen.

Man lerne:

  • DDR3 SO-DIMM: bedeutet 1.5 Volt Betriebsspannung
  • DDR3 L SO-DIMM: bedeutet 1.35 Volt Betriebsspannung

Es wird Zeit für eine kleine Zeit-Analyse: Wie war das denn bisher mit den Spannungen?

Bei mir beginnt die Zeitrechnung beim 486 … vorher beim 386 hätte ich mich nie getraut eine PC-Kiste aufzuschrauben oder noch schlimmer da was umzustecken.

FPM Module waren die ersten Chips, die ich (bzw. Mama) nachgekauft habe, damit der PC “schneller” wird. Sie wurden offenbar mit 5 Volt betrieben und es gab sie von 256 KByte bis 16 MByte. Mein 486er startet mit einem 4 MByte Module und wurde auf sein Maximum von 16 MByte (4 Module) hochgerüstet.

Mit dem Pentium und seinen Freunden von AMD und Cyrix kamen die EDO Module auf. Ich kann mich nur noch erinnern, dass sie in den 486 passten, aber dort nicht erkannt wurden. Wenn ich es richtig lese, sind wir weiter bei 5 Volt.

Nach dem Ende der EDO-Zeit und vor den 2000ern kam dann das SD-RAM welches in die neuen DIMM Slots passte. Jetzt fallen wir auf 3.3 Volt Betriebsspannung ab. Dafür sind Kapazitäten größer und später werden sie in “SDR SDRAM” für “Single-Data-Rate” umbenannt, weil wieder was Schnelleres auf den Markt kommt…

… und das heißt DDR (bzw. später DDR-1). Im neuen Millennium verdoppelt “Double-Data-Rate” den Speed (zumindest laut Werbung), aber man staune: es reichen 2.5 Volt. An 128 MByte bis 1 GByte Module kann ich mich erinnern … aber vielleicht gab es noch viel mehr.

So um 2005 kam mir mein erster DDR2-Chip ins Haus. Natürlich war ich verärgert, dass man schon wieder ein neues Riegel-Format hatte und die Chips nicht zwischen allen PCs austauschen konnte. Aber hey … jetzt werden nur mehr 1.8 Volt vertilgt, und unter 256 MByte bekommt man schon gar keinen Riegel mehr.

Ab 2010 erfolgt dann mein vorläufig letzter Umstieg im Desktop-Segment: DDR-3 ist da und begnügt sich mit nur 1.5 Volt. Wahrscheinlich schneit mir demnächst DDR-4 ins Haus.

Aber da war noch was: SO-DIMMs.
Das sind eigentlich nur kleiner Module für Laptops und so gab es zu jedem normalen DIMM-Riegel immer auch einen kleinern SO-DIMM.

Tja und seit kurzem weiß ich, dass DDR3-SO-DIMM Module mit dem Zusatz “L” versehen sein können, was bedeutet, sie geben sich mit 1.35 Volt zufrieden.

Und nachdem ich gerne kleine Atom-ITX Systeme für kleine Aufgaben betreibe, trifft mich das jetzt, dass mein Mainboard das Standard DDR3-SO-DIMM nicht mit ausreichend Strom versorgt und ein spezielles DDR3-L-SO-DIMM Module von Nöten ist.


Aber ist das nicht echt Wahnsinn? Vor 20 Jahren betrieben wir mit 5 Volt klägliche 32 MegaByte an Hauptspeicher. Heute reichen uns 1.35 Volt für 8 GigaByte.

Wenn die Lebensmittelindustrie in ihrer Branche sowas auch hinbekäme, dann wäre der Hunger in der Welt wahrlich “Geschichte”.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!