Windows 10 1809: Jumbo Frames

Nachdem Microsoft das Rollout von Windows 10 1809 im September bzw. Oktober wegen Fehlern zurücknehmen musste und erst Mitte November wieder bereit stellte, fand nun auch mein Update statt.

Die Prozedur lief korrekt ab und nach ein paar Tests entfernte ich das alte Windows 1803 Backup von der Festplatte.

Und dann fiel es mir auf: Das Kopieren von Dateien auf Netzlaufwerke war schwer beeinträchtigt. Datenraten von 50 Kilobyte pro Sekunde waren das Maximum.

Was zur Hölle ist da wieder schief gelaufen?

Und dann ging die elende Prozedur an.

  • Firewall einschalten, ausschalten.
  • SMB 1 aktivieren, deaktivieren.
  • Einzelne Protokolle und Netzwerkdienste einschalten, ausschalten.
  • und so weiter

… nichts half.

Irgend wann öffnete ich dann den Netzwerkadapter im Windows Gerätemanager. Auch dieser sah OK aus.

Nachdem mein PC auch Hyper-V für Tests aufgesetzt hatte, verglich ich die Einstellungen der realen und virtuellen Netzwerkadapter, aber auch da fiel mir nichts Seltsames auf.

Zufällig entdeckte ich dann die Einstellung Jumbo-Frames, die auf “9 KByte” gesetzt war. Hmm… bisher (also zumindest in Windows 7) war ich gewohnt, dass diese Einstellung immer deaktiviert war. Ich hatte sogar mal ein Script geschrieben, das Jumbo-Frames für eine Kundenlösung aktivieren sollte.

Rein zum Spaß deaktivierte ich also “Jumbo-Frames” und konnte beobachten, wie der im Hintergrund offene Datei-Kopier-Dialog die Datenrate von 50 KByte/s auf 20 MByte/s hochschnellen ließ.

WTF?! Die Jumbo-Frames waren also Schuld!
Offenbar hat ein neuer Netzwerktreiber den Standard von “Deaktiviert” auf “9 KB” gesetzt und das funktioniert in meinem Netzwerk scheinbar nicht.

Also, was sind Jumbo-Frames ?

Früher, als IPv4 so unendlich viele Adressen versprach, dass sie niemals ausgehen werden, brauchten Ethernets nicht sonderlich mehr Daten in einem Schwung über die Leitung jagen, als IPv4 üblicherweise verlangte. Und das waren so 1.5 Kilobyte pro einzelnem Paket.

Aber um so schneller die Netzwerke wurden und um so mehr Daten befördert werden sollten, um so hinderlicher wurde es, dass alles in kleine 1.5 KB Bröckchen aufgesplittet werden musste.

Deshalb wurde der Standard mit Gigabit-Ethernet erweitert und “Jumbo-Packets” bzw. “Jumbo-Frames” eingeführt, die eben mehr fassen konnten (in meinem Fall bis zu 9 KByte).

Diese Einstellung war aber in Treibern meist deaktiviert, schließlich unterstützten ältere Systeme und Router diese Datenraten nicht. Ich war es daher auch gewohnt, dieses Feature nur in Spezialfällen einzuschalten.

Tja, Microsoft nimmt einem diese Entscheidung ab … und eigentlich wäre das auch gut so damit sich diese Erweiterung langsam als Standard durchsetzt … wenn es denn die Infrastruktur verkraftet.
Vermutlich setzte nun zwischen meinen PCs ein permanentes Upgrade-Downgrade-Prozedere ein, welches zwar Daten durchließ, aber eben nur schwer verzögert und verlangsamt.

Ich müsste jetzt mal durchprobieren, woran es wirklich gescheitert ist, habe aber meinen schon etwas in die Jahre gekommenen billigen Switch im Verdacht. Dem traue ich es zu, dass er Jumbo-Frames nicht verträgt. Natürlich könnte es auch die Hardware an Client oder Server, oder deren Treiber sein.

Fazit: Im Zweifelsfall sollten neue Speed-Features immer deaktiviert bleiben.
Es ist zwar schön, wenn man im Idealfall von 50 MByte/s auf 100 MByte/s aufstocket (Faktor 2), aber wenn der Worst-Case bedeutet, dass man von 50 MBytes/s auf 50 KByte/s absackt (Faktor 1000), dann ist der konservative Weg vorzuziehen!


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!