Der Mythos Blockchain

Ein Jahr ist der große Hype um Bitcoin nun her. Die Blase ist geplatzt … leider noch nicht ganz, und jetzt frage ich mich: Was ist geblieben?

Wenn eine Technologie names Blockchain fast 10 Jahre so herumliegt, der Mainstream sich nicht wirklich dafür interessiert … und plötzlich geht alles durch die Decke, weil das Gerücht die Runde macht: “So wirst du reicht”, dann sollte man etwas skeptisch sein, ob es tatsächlich die Technologie ist, was soooo genial daran ist.

Dezentrale Datenbanken gab es schon lange, und dass Änderungen daran über Hashes erkennbar waren, ist auch kein Novum.

Dass ein Hash eines Datensatzes auch den Hash eines verknüpften Datensatzes mit einfließen lässt ist also die große Erfindung der Blockchain … OK …

Doch was bringt uns das?

Nun, wenn wir die gesamte Blockchain vor uns liegen haben, können wir selbst nachrechnen, ob die Daten auch alle korrekt zusammenpassen. Wäre nur ein Byte manipuliert, würden die gespeicherten Hashes nicht mehr mit den neu errechneten übereinstimmen.
Hmm … das nenne ich Prüfsumme … und was nun?

Dann muss ich eine bessere Quelle für die Chain finden und herunterladen.

Am Ende muss ich also irgend jemandem vertrauen, der die Daten bereitstellt. Das geschieht über blindes Vertrauen, oder vielleicht über Zertifikate, die wiederum von einem blind vertrauten Aussteller stammen.

Aber von wo bekommen wir überhaupt die Daten der Bitcoin-Blockchain?
Also laden wir uns den Quellcode von Bitcoin Core herunter und sehen mal in der Datei chainparams.cpp nach:

vSeeds.emplace_back("seed.bitcoin.sipa.be"); // Pieter Wuille, only supports x1, x5, x9, and xd
vSeeds.emplace_back("dnsseed.bluematt.me"); // Matt Corallo, only supports x9
vSeeds.emplace_back("dnsseed.bitcoin.dashjr.org"); // Luke Dashjr
vSeeds.emplace_back("seed.bitcoinstats.com"); // Christian Decker, supports x1 - xf
vSeeds.emplace_back("seed.bitcoin.jonasschnelli.ch"); // Jonas Schnelli, only supports x1, x5, x9, and xd
vSeeds.emplace_back("seed.btc.petertodd.org"); // Peter Todd, only supports x1, x5, x9, and xd
vSeeds.emplace_back("seed.bitcoin.sprovoost.nl"); // Sjors Provoost

Das sind also die Jungs, die mit ihren registrierten DNS Adressen den Eingang zum Bitcoin P2P Netz ermöglichen. Jeder der noch nicht Teil des Netzwerkes ist, fängt hier mit der Suche an.

Man stelle sich mal vor, was passiert, wenn wir die Kontrolle über einen dieser Knoten erlangen, oder den Client ein falsches DNS Ergebnis erhält?
Dann könnten wir neue User in ein Fake-Netz umleiten…
Mag ja sein, dass damit noch kein Geld verschwindet, aber das Chaos wäre groß.

Doch die meisten Menschen nutzen die Blockchain von Bitcoin nicht mal direkt, sondern vertrauen ihr Realgeld einem Zwischenhändler an, der zumindest behauptet, tief im Bitcoin Netzwerk verankert zu sein. Und was wenn wir diesen Mittelsmann “umleiten”?

Wer kann also schon überprüfen, ob das was auf der Webseite des Händlers steht dann auch tatsächlich in der Blockchain landet. Ob eine Transaktion auch beim Empfänger angekommen ist, können wir nicht garantieren, denn das Blockchain Netzwerk selbst führt nur ein verteiltes Buch über Blöcke. Was diese bedeuten, ist dem Netzwerk egal.

Ob ein Tippfehler bei der Empfängeradresse oder ob eine Null zuviel in der “überwiesenen” Zahl ist, spielt keine Rolle und ein automatisches Rollback ist nicht möglich … denn das würde die Kette brechen.

Von daher verstehe ich nicht, was denn nun an diesem Konzept so außergewöhnlich sein soll. Für den Enduser gibt es keine Garantien oder Handlungsspielräume. Nur die Transaktionsgebür wird zuverlässig mitabgebucht.

Ich finde es aber auch interessant, dass in Diskussionen in Podcasts oder den Medien immer enthusiastisch diskutiert wird, welche großartigen Veränderungen diese Technologie nun einbringt. Sobald aber gefragt wird, wie das konkret ablaufen soll, wird auf andere Entwickler verwiesen, die nie in Erscheinung treten.

Es steht jedoch fest, dass Bitcoin das Leben vieler Menschen beeinflusst hat … doch das haben Drogen und der Nationalsozialismus auch.
Wir werden ja sehen, wo uns diese sogenannte Innovation noch hinbringen wird. Ich bin gespannt…

Übrigens, ich bin ganz seiner Meinung:


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!