N-lightening Windows

Bevor mit Windows Vista das Image basierte Rollout-Verfahren des Betriebssystems massentauglich wurde, gab es für die Vorgängersysteme Tools, um die Windows CDs entsprechend zu patchen.

Eines davon war n-Lite, welches ich jahrelang nutzte, um Windows 2000, Windows XP und Server 2003 Images auf den neuesten Stand zu bringen.

Wer im Jahr 2001 seine originale XP CD gekauft hatte, musste bei einer Neuinstallation ein paar Jahre später einen Nachmittag reservieren.

Denn nach der regulären Installation, begann zuerst der Download des aktuellsten Service-Packs und dann folgten weitere hunderte Megabytes an Downloads für diverse Updates.
Und nicht vergessen: Wir befinden uns im Jahr 2005 wo Breitband-Internet noch nicht das war, was es heute ist, und wo eine ganze Windows-Installation noch auf eine CD mit 700 Megabytes passte. Da waren solche Updates vergleichsweise riesig.

Deshalb gab es das “Slipstreamen von Updates” in das orginale Windows CD Image, wo am Ende eben ein neues CD-Image rauskam, wo schon alle Updates integriert waren.

Installierte man also von so einer gepatchten CD, so hatte man nach Ende der Installation ein Windows, welches auf dem neuesten Stand war und nur noch Updates vom Vortag zum Download anstanden … also ideal für einen Admin, der viele Systeme neue aufsetzen musste.

Die Service-Packs und Windows Updates waren ausführebare Dateien, die ohne Parameter sich ins laufende OS installieren, aber mit eine paar Zusatzparametern sich in ein Installations-Image integrierten.

Tools wie n-Lite stellten eine praktische Anwenderoberfläche für dieses Verfahren zur Verfügung.

Wie kommt man nun an die Updates?

Tja, es gibt Tools wie den Windows Update Downloader, doch mit dem hatte ich ein paar schlechte Erfahrungen gemacht. Denn wurden alle Updates integriert, die der Downloader automatisch herunterlud, kam es oft zu Korruptionen in den nLite-eten Images.

Ich machte mir daher tatsächlich die Mühe und installierte Windows vom Original-Medium, ließ Windows Update scannen und schrieb mir alle KB-Nummern auf, die als notwendige Updates von Windows selbst gefunden wurden. Diese lud ich dann vom Windows-Update-Katalog manuell herunter.

Wurden genau diese Updates integriert, war das resultierende Image immer voll funktionsfähig.

So umständlich, wie es klingt, war es letztendlich nicht, denn man konnte ja auch ein bereits gepatchtes Image nach einem Jahr weiterpatchen und brauchte man nur die neuen Updates suchen und herunterladen. Einmal im Jahr kann man sich diesen Aufwand also leisten, wenn man häufiger Installationen durchführen muss.

n-Lite stellt aber noch weitere Features bereit, wie etwa die Integration von Treibern und das Entfernen von Windows-Komponenten, wie z.B. des Media-Players oder des Internet-Explorers.

Auch konnte man Einstellungen, wie Sprache oder Admin-Passwort vorgeben, womit das Tool weitere Stärken ausspielen konnte.

Eine besonders lebenswichtige Funktion war das Integrieren von SATA Treibern. Denn Windows Setup konnte Festplatten nur dann finden, wenn es einen passenden Treiber für die Hardware hatte. Nun konnte man zwar “eine Diskette” einlegen, doch zu jener Zeit verschwanden Disketten von den PCs und vor allem Laptops waren nicht mehr mit ihnen ausgestattet. Und noch schlimmer: USB war in dieser Setup-Phase noch gar nicht aktiviert.

Folglich konnte die handelsübliche Windows CD auf Geräten nach 2005 nicht mehr installiert werden, weil Treiber für die neue Hardware fehlten.

Doch mit n-Lite gab es eine kostenlose Lösung für dieses Problem. Man lud sich den SATA Treiber vom Hersteller herunter. nLite integrierte ihn und schuf eine neue Installations-CD und schon lief die Windows Installation wie gewünscht.

Das mit Windows Vista entgeführte dism und der modularere Aufbau von Windows gepaart mit sysprep ist natürlich ein gewaltiger und positiver Fortschritt gegenüber der alten Patch-Methode.

… doch ein bisschen vermisse ich die Zeit, wo Betriebssysteme noch auf eine CD passten.


Heute kann ich es ja laut sagen: n-Lite ware auch meine Methode, XP-Installationen zu schaffen, die keine Aktivierung benötigen.

Da gab es nämlich so einen CD-Key der im gesamten Netz verbreitet war, und der das originale Windows XP automatisch aktivierte. Dieser Key wurde mit der Veröffentlichung von SP1 und seinen Nachfolgern gesperrt, man konnte ihn auch beim Setup nicht mehr eintippen.

Wurde er aber ins Image integriert, lief das Setup durch und XP war ohne Aktivierung aktiviert.

Somit waren für meinen unzähligen Testinstallation zu Hause keine viren-verseuchten Cracks notwendig, um XP zum Laufen zu bekommen.

Schade, dass das mit Windows 7 und seinen Nachfolgern nicht mehr klappt.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!