Hackers 'n' Slackers

Oder: Was es so für Typen von IT-Menschen gibt

Die vergangenen Wochen haben mich einige neue Gesichter kennen lernen lassen. So ist das eben beim Job-Wechsel und den Bewerbungsterminen.

Dabei ist es immer wieder interessant mitzuerleben, wie “andere” Programmierer mit ihrem Beruf, ihrer Berufung und ihrem Leben umgehen. Bei einigen Stories denkt man sich:

Oh - mein - Gott, was hast du in der Software-Entwicklung verloren?

Doch dann gibt es wieder diese Highlights, wo man sich denkt:

Hey! Du bist jetzt mein Freund!

Der “Is-Eh-Wurscht” Charakter

Das schlimmste, was ich je erlebt habe (vor knapp 13 Jahren), war ein Kollege Ende 40, der den Standpunkt vertrat:

Ich habe genug gearbeitet! Ja, die sollen mich anstellen, damit ich in ein paar Monaten kündigen und wieder Notstandsgeld beziehen kann. Das spiele ich jetzt bis zur Pension durch.

Zusätzlich zum angerichteten Schaden bei Kollegen und beim Unternehmen frage ich mich, ob solche Typen in ihrem restlichen Leben jemals wieder Glück empfinden können. Denn eine solche Einstellung wird mit jedem Lebensjahr mehr Verbitterung produzieren und die negative Spirale weiter nach unter drehen.

Der Schnitzeljäger

Und dann treffe ich immer wieder mal Schnitzeljäger. Technik und Programmierung geht ihnen sprichwörtlich “am Arsch” vorbei, aber sie möchten Teil einer “coolen” Bewegung sein, oder sie am besten gleich anführen.

Deshalb lernen sie einzelne Wortgruppen von Wikipedia auswendig um sie zielgerichtet bei Gesprächen als überirdisches Wissen einzustreuen, damit jeder sehen bzw. hören kann, wie unendlich klug sie sind.

Doch dieser Schein verblasst schnell und am Ende bleibt es dann bei warmer Luft (CO2-Alarm!).

Ich muss zugeben, dass ich mit den beiden genannten Menschen-Typen nicht gut zurecht komme, auch wenn sie oft sozial umgänglicher oder sympathischer auftreten.

Der Techniker

Ganz anders sieht es aus, wenn man Leuten gegenüber sitzt, die keine Floskeln produzieren, sondern anfangs meist etwas vorsichtig aber zielgerade zur Sache kommen.

Nicht-eingeweihte verstehen zwar den einen oder anderen Fachbegriff nicht, doch ehe man sich versieht ist man mitten in einer spannenden Diskussion, die quasi von selbst läuft.

Und dann kommt der Moment wo kein künstliches sondern ein “echtes” Lächeln über die Wangen huscht, wenn man erzählt:

Ja und in der neuen Version, hey, das war echt genial, haben sie endlich mal den Bug behoben, na und jetzt rennt alles perfekt. Mann! Wenn wir jetzt noch …

Das ist dann der Moment, wo ich mir denke:

Jap! Es ist echt “cool” unter anderen Gleichgesinnten zu sein!

Weil es nämlich nicht das letzte SCRUM-Standup oder das Buch im Regal mit dem Titel “Der Coding-Experte” ist, das uns Innovationen und vielleicht eine bessere Zukunft bringt, sondern es sind die Menschen die Freude an ihrem Schaffen und Tüfteln haben und diese Motivation in all ihr Handeln einfließen lassen.

Und in dem Moment sind eben das die “coolen” Jungs. Und ja, es sind leider fast immer nur “Jungs”. Ich hatte bisher noch nie das Glück gehabt, mit einer Entwicklerin zusammenzukommen.
Doch es gibt sie, und mit etwas gutem Willen werden es mehr werden.
Bei den Gamerinnen hat es begonnen und so hoffe ich, dass es in Zukunft auch in der Software-Entwicklung mehr Frauen geben wird.

Fazit

In jedem Fall freue ich mich, dass ich bei einigen Gesprächen hoch motivierte Programmierer und IT-Begeisterte kennen lernen durfte und es gibt mir ein gutes Gefühl zu wissen, dass es für jeden “Möchtegern-IT-Experten” auch ein Gegenstück in Form eines aufgeschlossenen Menschen gibt, der mit Leidenschaft an die Herausforderungen des Alltags heran geht.

Und was mich betrifft … ja leider musste ich mich für einen Weg unter mehreren entscheiden und ich freue mich ihn nun zu gehen. Und so kommt man eben nicht mehr mit allen anderen neu kennen gelernten Gesichtern direkt zusammen.
Aber gerne hätte ich mir den einen oder anderen potentiellen Kollegen in meine neue Arbeit mitgenommen. Schade dass das nicht so einfach geht.

Aber wie sagt man so schön: Man sieht sich im Leben immer zweimal ;)


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!