Der kleine Lichee Nano

Na endlich … mit großer Verzögerung, habe ich meinen Lichee Nano zum Laufen gebracht.

Mit ein bisschen mehr Doku wäre es vermutlich schneller gegangen.

Also dann, berichten wir mal …


Der Lichee Nano ist ein Chip etwas größer als eine SD-Karte (die große, nicht die Micro!) und stellt einen ARM Prozessor mit 16 MB RAM bereit, der von einer eingebauten Micro-SD-Karte ein vollständiges Linux booten kann.

Lichee Nano

Mit zahlreichen Pins und einer geringen Stromaufnahme liegt er zwischen einem Raspberry PI (Zero) und den Arduino-Varianten.

Das coole am Lichee Nano ist Linux, man hat also ein richtiges OS mit Multithreading und Prozessen. Doch wegen der geringen Taktrate und dem kleinen RAM braucht man weniger Strom um das System zu versorgen.

Damit wäre es für kleinere IoT Projekte ein interessantes Tool um einerseits Daten “professionell” zu verarbeiten und gleichzeitig weniger Strom zu fressen.

Das größte Problem: Es gibt kein Standard-Linux für den Chip. Wer also nach etwas wie Raspbian oder Ubuntu IoT sucht, sucht lange.

Für den Lichee zahlt es sich aus, ein Linux Image selbst zu bauen und dann mit dd an die richtige Addresse der SD-Karte zu schreiben, damit der Chip auch booten kann. … also richtig Hardcore für unsere heutigen Zeiten.

Lichee Image

Unter dl.sipeed.com/LICHEE/Nano/Image liegen ein paar Beispiel-Images zum Download bereit. Man kann die *.dd Dateien über die Tools dd oder den Win32DiskImager auf eine SD-Karte bringen. Die Images zielen auf ein System mit Display ab und liegen daher mit Dateinamen vor, die die gewünschte Auflösung beinhalten.

Ich habe aber ohnehin kein Display und möchte den Chip per serieller Verbindung steuern.

Serielle Verbindung aufbauen

Liegt der Chip auf der Seite mit der SD-Karte, so ist der USB-Anschluss auf der Oberseite. Legt man den Chip so auf, dass der USB-Anschluss oben und der Display-Anschluss unten ist, dann befinden sich die UART Pins auf der linken Seite:

Pin Nr. Funktion
1 auslassen
2 UART 0 TX
3 UART 0 RX
4 +5 Volt
5 Ground

Man verbindet also die Pins 2, 3 und 5 mit einem TTL Serial to USB Adapter, startet PuTTY oder ein anderes serielles Terminalprogramm und konfiguriert den COM Port mit einer BAUD-Rate von 115200.

Dann versorgt man Chip über den USB Anschluss mit Strom und sollte in der Konsole bereits Aktivität feststellen.

Bei mir war die erste Kommunikation noch fehlerhaft, aber nach etwas Zeit nach dem Booten hat sich der Chip “gefangen” und begann eine Login-Maske auf der Konsole zu zeigen.

Mit

User: root
Password: licheepi

konnte ich mich erfolgreich einloggen und ein an paar Linux Kommandos ausprobieren.

Fazit

Es macht Spaß auf einem “Computer” halb so groß wie ein Raspberry PI Zero oder Orange PI Zero zu arbeiten. Es ist schon beeindruckend, dass Linux mit 16 MB RAM tatsächlich lauffähig ist.

Noch fehlt mir eine Netzwerkmöglichkeit, aber vielleicht kann ich per USB ein LAN oder WLAN Modul zum Laufen bekommen. Dann wäre es tatsächlich möglich mit dem Gerät “zu arbeiten”.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!