JanaServer2

Über ein Jahrzehnt war der Jana-Server mein bester Freund und Helfer. Denn während man normalerweise für HTTP, Proxy, SMPT und Dialer vier separate Softwarelösungen brauchte, brachte der kostenfreie Jana-Server alle diese Features auf einen Windows Rechner.


Vorgeschichte

Es war wie üblich im Jahr 2000: Man kaufte sich eine PC-Monatszeitschrift und klickte sich sofort durch die Installer der beigelegten Heft-CD.

Und da tauchte dann auch irgendwann der Titel “Jana-Server” auf und bewarb ein damals noch durchaus relevantes Feature:

Ein Proxy-Server, der automatisch eine Modem-Dialup-Verbindung herstellt, wenn ein Client eine Anfrage an das Internet stellen will.

Und nachdem “auf dem Lande” damals von Breitband noch seeehr lange keine Rede war, ich aber trotzdem schon meine ersten paar PCs im Zimmer hatte und mit allen das Internet erforschen wollte, wurde dieser “Jana-Server” meine Zugangslösung.
Kein Routing, keine Firewall, nur ein Jana-Server neben dem Modem und alle anderen PCs im Haus hatten Jana als Proxy konfiguriert.

Funktionen

Jana-Server ist ein privates Software-Projekt und steht unter (janaserver.de)[https://www.janaserver.de/] zum Download bereit. Ursprünglich lauffähig ab Windows NT 4.0, startet die aktuellste Version aus dem Jahr 2014 ab Windows 2000 bis zum neuesten Windows 10.

Innerhalb des Dienstes lassen sich mehrere Protokolle aktivieren und das geschieht über ein Webinterface (auf http://127.0.0.1:2506 am Jana-Rechner).
Dieses Webinterface ist tatsächlich die Achillesferse des Projektes, da es auf die alten Webbrowser von damals ausgelegt ist und auf modernsten Browsern nicht immer richtig funktioniert.
Doch zum Glück gibt es ja noch den Kompatibilitätsmodus im Internet Explorer 11.

Wenn man eine Wählverbindung eingerichtet hatte, konnte Jana diese verwalten und nur dann ins Internet gehen, wenn auch wirklich jemand etwas daraus wollte. Und das war damals wichtig, denn Telefon-Internet war teuer.

Der eingebaute Proxy nahm also Anfragen aus dem internen Netz an und öffnete eine richtige Internet-Verbindung. Kamen 10 Minuten lang keine weitere Anfragen, legte der Dienst sprichwörtlich den Hörer wieder auf.

Der interne Mail Server konnte E-Mail-Konten per Zeitintervall aus dem Netz per POP3 oder IMAP abrufen und bei sich lokal speichern. Im internen Netz konfigurierte man dann Jana als Mail-Server und empfing seine zwischengespeicherten Briefe, was ebenso wieder Telefonkosten reduzierte. Beim Senden fungierte Jana als SMTP Gateway und leitete alles and die öffentlichen SMTP Server im Netz weiter.

Zusätzlich konnte man noch Verzeichnisse via HTTP freigeben und sogar CGI Programme auf dem Webserver laufen lassen.
So habe ich lange meine PHP-Experimente durchgeführt und es gab sogar eine ASP Variante daafür. Sie war zwar nicht ganz vollständig, aber man konnte damit VBScript serverseitig ohne Microsoft IIS laufen lassen.

Ein FTP Server durfte in der Gruppe auch nicht fehlen und dann gab es noch ein paar Zusätze und “Sonderprotokolle”:

  • DNS
    Damit man eigene PCs mit Namen versehen konnte, ansonsten auch nur ein “Proxy” zu echten DN-Servern im Internet.
  • NNTP
    Ein “News-Server”, eigentlich ein besseres Reddit weil dezentral, es ist nur leider am Web-Smog erstickt.
  • RealPlayer Proxy
    Dieses Web-Audio/Video Protokoll kennt heute auch keiner mehr. Ja damals, als Briefmarken-große 3-Minute-Clips noch “geil” waren.
  • Socks 4/5 Proxy
    Heute kennt man nur noch HTTP-Proxies, doch für native Protokolle konnte früher ein Socks-Proxy TCP und sogar UDP Pakete weiterleiten.
    Damalige Programme ließen oft SOCKS Einstellungen zu, heute sieht man sie kaum mehr.

Fazit

Hätte es Jana nicht geben, wäre mein Interesse an Netzwerken und Protokollen schon im Keim erstickt worden. Denn wer unter Linux mal einen Proxy mit Dialer verbinden wollte, brauchte sich die nächsten Wochenenden sonst nichts mehr vornehmen, so fu**ing anstrengend und fehlerhaft war das damals.

Erst viele Jahre später konnte ich mit Tools wie Webmin etwas Vergleichbares mit Linux hinbekommen.
Doch mit Jana schaffte man das in wenigen Minuten, wo unter Linux immer noch Stunden draufgingen.

Daher ist und bleibt der Jana-Server auf der Liste meiner Software-Highlights ganz weit oben.

Heute haben diese genialen Features leider an Wert verloren, weil das Internet sowieso überall vertreten ist und all die “guten” separaten Dienste durch Werbung-verseuchte Webseiten ersetzt wurden.

Endlich kann ich wieder einmal sagen:

Früher war doch alles besser.
Damals mit dem Jana-Server!


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!

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