Windows 95 Update

Nun, ein bisschen konservativ war ich schon immer. Und als die Nachricht von einem neuen Windows aufkam, war meine Reaktion: “Pah, brauch’ ich doch nicht!”

Es war aber eher eine Schutzbehauptung … wo hätte ich es denn herbekommen sollen?

Doch zum Glück gab es eine Lehrkraft an der hiesigen Schule, die im für mich damals weit entfernten Wien dieses neue Windows ergattert hatte. Schnell setzte ich meinen Hunde-Welpen-Blick auf und fragte ganz zaghaft danach.

Dieses Windows 95 kam auf CD-ROM, doch ein CD Laufwerk hatte ich damals noch nicht. Disketten waren die einzigen auswechselbaren Medien auf meinem PC.

Ich war inzwischen (Anfang 1996) recht geübt mit DOS 6.22 und wusste auch, wie man das mitgelieferte Tool MSBACKUP einsetzt. (Als Möchtegern-Profi sprach ich es “eM eS Bakk Uhp” aus … mir hatte ja keiner gesagt, dass das alles Englisch sein sollte.) MSBACKUP

Jedenfalls war meine Idee: Ich kopiere mir alle Dateien der PC-Installation auf Disketten mit MSBACKUP und lege mir eine Boot-Diskette an.

Warum: Tja, das Setup von Windows 95 war eigentlich schon Disketten-tauglich ausgelegt und in viele CAB Dateien zersplittert. Doch die Microsoft Disketten waren mit einer höheren Formatierungsdichte als normale Disketten ausgestattet, sie fassten 1.68 MB und nicht die üblichen 1.44 MB. DFM = Distribution Media Format hieß das. Win95 Floppy Und damit waren die CAB Dateien leider zu groß für eine normale Diskette.

Doch dieser erste Backup-Restore-Versuch meinerseits scheiterte. Zwar konnte ich den Festplatteninhalt in einer stundenlangen Aktion auf unzählige Disketten kopieren, aber als ich zu Hause dieses “Backup” auf meine Platte “restored” hatte, schlug der Start fehl.

Windows 95 führte lange Dateinamen im alten FAT Dateisystem ein. Das DOS basierte MSBACKUP hatte aber davon keine Ahnung. Ich vermute mal, dass hier der Grund für den Fehlschlag lag, oder aber ein Treiber wollte mein System nicht akzeptieren. (Damals war die Hardware-Erkennung noch eher mit einem Glücksspiel zu vergleichen.)

Also nochmal zurück zur Quelle. Dort kopierte ich dann den Windows 95 CD Inhalt in einen Ordner auf der Festplatte und ließ MSBACKUP jenes Verzeichnis wieder auf alle Disketten übertragen.

Nebenbemerkung: Ich hatte vermutlich alle Disketten in meinem Besitz für diese “Übertragung” zweckentfremdet.

Zu Hause das ganze wieder in einen Ordner restored, startete ich setup.exe und dann lief über 1 Stunde die Installation von Windows 95.

Wow! Letztendlich lief Windows 95 bei mir … was für ein Aufwand um eine 100 MB Installation auf meinen PC zu bekommen.


Kein CD-Laufwerk verbaut und weder USB noch passende Sticks dazu waren damals schon erfunden. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen.

Ich hätte noch mit dem Computer übersiedeln und die Daten per Nullmodem-Kabel und INTERLNK + INTERSVR übertragen können … aber einen PC per Fahrrad ans andere Ortsende bringen … Nö, das war sogar mir zu viel.

Und ja ich weiß, diese “Sicherheitskopie” war nicht legal entstanden. Aber damals gab es kein YouTube und deshalb kannte ich das Video Don’t Copy That Floppy nicht.

Da haben wohl ein paar LSD Reste aus den 80ern auf die 90er übergegriffen, wie man am Soundtrack deutlich erkennen kann.
Und mal ehrlich … solche Model-Jungs und -Mädchen saßen damals (wie heute) ganz sicher nicht vor dem PC um Disketten zu kopieren. Hätten sie Hornbrillen getragen … dann vielleicht.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!