Der Internet Explorer

Als um das Jahr 2000 der Konzern Microsoft vor die Richter gestellt wurde um ihr monopolistisches Auftreten zu durchleuchten, fiel unter anderem auch die Aussage:

Der Internet Explorer ist so tief mit dem Betriebssystem verknüpft, dass man ihn nicht einfach entfernen kann.

Ich würde ja behaupten, dass bestmöglich versucht wurde diese Aussage umzusetzen, damit man den damals herrschenden Browserkrieg für sich entscheiden hätte können.

Einen Gefallen hat man sich damit allerdings absolut nicht getan.

Theoretisch wäre der Internet Explorer “nur” ein Programm. Also eine EXE die man löschen kann. Und schon läuft Windows ohne IE. Und das klappt recht problemlos.
Man bedenke, das Windows 95 und NT 4 ursprünglich gar keinen Browser mitlieferten und ab Windows 98 sollte es nicht mehr ohne gehen?

Aber was genau ist der Internet Explorer?
Denn wenn man ihn damals (95/NT4) installiert hatte, konnte plötzlich der normale Windows Explorer (EXPLORER.EXE) ebenfalls Webseiten anzeigen, ohne das IEXPLORE.EXE lief.

Der wirkliche Kern des Browsers liegt unter anderem in MSHTML.DLL und einigen anderen Bibliotheken. Und so können COM-Anwendungen oder Scripts via ActiveX im eigenen Prozess plötzlich HTML Rendering einbinden.

Ich selbst habe seinzeit mit VB6 einen MSHTML-basierten Browser mit Tab-Support zusammengebastelt. Denn bis einschließlich IE6 waren Tabs nicht unterstützt und neue Seiten wurden in neuen Fenstern angezeigt.

Diese HTML-Features verändern Windows tatsächlich, oder sagen wir mal die Shell. Eine Vielzahl von Dialogen (Datei öffnen, speichern, …) werden von SHELL32.DLL und ihren Freunden bereitgestellt und viele Shell-Erweiterungen gehörten offiziell auch zum Internet Explorer.

Die Idee, das Programme in HTML geschrieben werden ist auch keine Erfindung von iPhone und Android, sondern wurde mit HTAs (Hyper-Text-Applikationen) mit dem IE5 eingeführt. Vom Konzept her wurde HTML etwas erweitert um die HTML-UIs besser an Fenster anzupassen und der Rest sollte durch JavaScript und VBScript mit Hilfe von ActiveX erledigt werden.

Und so schön die Idee damals gewirkt hat, es war ein grober Fehlschlag. Da es für ActiveX Komponenten kein Sicherheitssystem gab, wurden unzählige Viren und andere Schadsoftware als ActiveX-Komponenten erstellt. Und der IE bzw. seine internen geteilten Komponenten luden alles herunter und führten es sofort aus.

Viele Abstürze, Datenklau und verägerte Benutzer waren die Folge.

Mit Windows Vista waren ActiveX und der IE wieder von der Shell getrennt. Windows PE gilt für mich als Beweis, dass diese Ausgliederung wirklich geglückt war, denn dort kann man den Windows Kern selbst zusammensetzen und MSHTML bewusst hinzufügen oder entfernen.


Tatsächlich habe ich im genannten Windows PE mit einer HTA mal eine Windows-Image Installationsroutine geschrieben.
So konnten recht effizient Dialoge auf den Bildschirm gebracht werden, über die man die Festplatte partitionieren und dann WIM Images ausrollen konnte. Die HTA-UI startet im Hintergrund dann über WScript die entsprechenden Konsolenprozesse wie DISKPART, IMAGEX oder DISM.

Hätte sich Microsoft damals mit dieser übereilten Integration ohne Sicherheitsprüfung diese jahrelangen Bug-Pleiten erspart, wären wir heute unter Umständen weiter mit dieser Technologie.
Anstatt dessen wurde der alte IE im Funktionsumfang reduziert, womit eine Menge anderen Tools gebrochen wurden, die auf ein spezielles Webverhalten angewiesen waren, Virtual Server 2005 fällt mir da ein.

Dann kam der Wechsel zu Edge, der zwar neu und schlank aufgebaut war, aber den Platzhirschen Chrome, Safari und Firefox nicht hinterher kam.

Und ein bisschen pervers ist auch die Verteilungsstrategie von Edge. Windows 10 für Anwender “braucht” Edge als Primärbrowser. Die Server-Varianten und Windows 10 IoT kommen ohne Edge und nutzen weiter den IE 11.

Meine erste Aktion ist also immer zuerst den Firefox zu installieren und das Browser-Chaos ruhen zu lassen.

Übrigens, bevor Chrome das Licht der Welt erblickte, war Firefox der Star unter den Browsern.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!