Normale Batterie aufladen

Warnung! Nicht nachmachen! Explosionsgefahr!

Es gibt Akkus, die man wiederaufladen kann, und Batterien, die man nach der Nutzung wegwerfen muss. Damit man nicht versehentlich die nicht-wiederaufladbaren Batterien in ein Ladegerät steckt, steht auf jeder drauf, dass man sie keinesfalls wiederaufladen darf, oder es knallt.

Und dann kommt Wolfgang Rudolph vom Computer Club 2 und behauptet, dass man Alkaline-Zellen sehr wohl wieder aufladen kann, und zwar in seinem Video #238

Nachdem nach vielen Jahren meine Batterie-Sammelbox für gebrauchte und kaputte Teile langsam voll wurde, erinnerte ich mich an das Video, sah es nochmals an und dachte mir dabei:
Hmm, für kleine Experimente, die wenige Strom fressen sollen (z.B. mit einem ATtiny), wären solche Batterie-Auffrischungen ja ideal.

Also sortierte ich meine Box durch und trennte jene, aus denen schon Flüssigkeit ausgetreten war, von jenen, die “besser aussahen”.

Von den “besser aussehenden” kamen wieder jene in die nächste Runde, wo “Alkaline” drauf stand.

Dann kam der Batterietester an die Reihe, und wenn die Nadel auch nur ein kleines bisschen ausschlug, hatte sie es ins Finale geschafft. Alles größer 0.1 Volt reichte mir.

Nun schaltete ich mein Labornetzteil an, stellte es auf 1.5 Volt und verband Plus mit Plus und Minus mit Minus.

Und siehe da, bei den meisten floss Strom.
Wenn am Anfang kein Stromfluss verzeichnet wurde, setzte ich einen Trick ein, den mir ein Kollege mal beigebracht hatte:
Einfach die Spannung kurz höher drehen.
So kann man auch den einen oder anderen zu sehr entladenen Akku wieder dazu bringen, sich doch wieder normal laden zu lassen.

Nach einigen Minuten trennte ich dann die Batterie vom Netzteil und befragte wieder den Tester. Und dieser erkannte zwischen 1.1 und 1.4 Volt.

“Nicht schlecht”, dachte ich mir … aber Spannung ohne Last ist nicht viel Wert. Zum Glück waren inzwischen meine DC-DC-Step-Up Module eingetroffen, die 1 Volt in 5 Volt umwandeln können und mit diesen Schaltkreisen kann man mit einer oder zwei einzelnen 1.5 Volt Batterien auch einen Mikrocontroller mit 5 Volt betreiben.

Und tatsächlich, die 10 Minuten lange “ausgefrischte” Batterie konnte etwa 30 Sekunden lang einen ATmega328 mit einem kleinen OLED Display betreiben, bevor die Spannung wieder zusammenbrach.

Also steckte ich schnell vier weitere AA-Zellen an mein Netzteil. Zur Sicherheit setzte ich noch Dioden vor die Plus-Pole, damit nur Strom in die Batterien hinein- und nichts abfließen kann. (Dafür darf dann die Ausgangsspannung auch etwas höher sein … denn die Diode verbrät ja auch etwas).

Gleich nach dem Einschalten nahm jede AA-Zelle recht viel Strom auf, doch der Wert fiel schnell ab. Von 100 Milliampere ging es schnell in Richtung 20 mA pro Zelle. Und eine Stunde später waren es zwischen 10 und 15 mA.

Eine Zelle war offenbar defekt und saugte wesentlich mehr. Sie erwärmte sich auch etwas, weshalb sie sofort ersetzt wurde. Ihre Spannung lag außerdem bei unter 0.6 Volt, während die anderen bereits über 1.2 lagen.

Battery Charger

Ich muss aber sagen, dass meine uralten Batterien schon mindestens ein Jahr in der Box lagen und auch nach einer mehrstündigen Ladeperiode eine Testvorrichtung nicht besonders lange am Leben halten konnten. Vielleicht 10-15 Minuten.

Daher kaufte ich mir einen Satz neue Batterien und stellte fest, dass diese meinen OLED-MCU-Verbraucher 2 Tage speisen konnten.

Nun sind die beiden Testzellen leer und ich starte einen weiteren Aufladeversuch mit den neuen Batterien und ich bin schon gespannt, ob diese dann länger durchhalten.

Falls ja, könnte daraus ein kleines Solar-Experiment werden …


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!