EFI und der Windows Lizenzschlüssel

Bitte nennen Sie die Art des technischen Notfalls.

stellt meine Abwandlung des Textes dar, den das medizinisch-holografische Notfallprogramm des Raumschiffes Voyager und auch vieler anderen Schiffe der Sternenflotte vorprogrammiert von sich gab, wann immer es aktiviert wurde.

Denn der von Robert Picardo gespielte Charakter begann stets mit den Worten

Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls.
Please state the nature of the medical emergency!

Die Antwort, die ich jüngst auf meine obige Frage erhielt, war:

Er dreht nicht mehr.

Und das bedeutet übersetzt: Windows startet nicht mehr.

Gemeint ist damit natürlich das Wartesymbol (die kreisenden Punkte), die Windows 10 während seines Hochfahrens rotieren lässt, bis die grafische Oberfläche bereit für den Benutzer ist.

Nun lange Rede, kurzer Sinn … da ist leider eine Festplatte eingegangen und musste ersetzt werden. Und das ist zum Glück kein großes Problem, denn hier reichte eine beliebige 0815 SSD vollkommen aus.

Ein größeres Problem befürchtete ich in der nun fehlenden Windows Installation. Denn eben diese alte Installation entstand als Update von Windows 8 auf Windows 10, welches im Jahre 2015 bis 2016 noch für alle gratis war.

Doch ob das heute noch gültig ist, weiß ich nicht …

Nach dem Einbau der neuen Festplatte und dem Start von der Windows 10 DVD kam die Frage nach der Seriennummer, die ich vorerst übersprang (zum Glück geht das ja).

Um so verwunderter war ich dann, als sich das System nach der Installation als korrekt aktiviert meldete.

Wie geht das?

Nun, mit dem Wechsel von 32-bit auf 64-bit hat sich EFI, das Extensible Firmware Interface, als Ersatz des alten IBM-PC BIOS etabliert.

Und gleichzeitig wurden einige neue Felder in den ACPI- Tabellen des Systems spezifiziert. Eine davon enthält die Möglichkeit, dass man Windows-Lizenzschlüssel in diesen Firmware-Tabellen speichert.

Das ist natürlich enorm hilfreich, denn so muss man sich nicht mehr an Lizenz-Aufklebern an der Unterseite von Laptops und Desktops orientieren, die durch Abnutzung unleserlich werden.

Windows liest so seinen Aktivierungsschlüssel quasi aus der Hardware aus und aktiviert sich beim ersten Netzwerkzugang von selbst.

Coole Sache!

Denn besonders Laptops, die mit Windows ausgeliefert werden, nutzen dieses neue Feature.

Und was mich noch mehr freut ist, dass der im betroffenen Laptop hinterlegte Windows 8.1 Schlüssel auch Windows 10 immer noch kostenfrei aktivieren lässt.

EFI gestattet uns auch noch einige weitere interessante Features. Man kann sich eigene GUIDs generieren und unter diesen Daten im Firmware Flashspeicher ablegen.
Das kann man also auch dazu nutzen, für seine eigene Software Lizenzschlüssel oder Konfigurationen “auf dem Gerät” zu speichern, ohne von der Lebensdauer der Festplatte abhängig zu sein.

Natürlich sprechen wir hier von kleinen Speicherslots im Kilobyte Bereich, doch für Schlüssel reicht das aus.

Nun gut, der Laptop “dreht wieder” … also Windows startet auf der neuen Festplatte und somit war der Notfall schnell gelöst. Und ich freue mich, dass ich keinen Schlüssel aus meinem MSDN-Subscription-Pool opfern musste.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!