Nokia 5110 Display

Das war schon eine lustige Erfahrung, als damals - so zwischen 1998 und 2000 - die große Welle der Mobiltelefone anlief und ich mich in der Schule mehr und mehr wunderte, dass nach und nach immer wieder einer mehr so ein “Handy” in der Pause herumzeigte.

Denn zu jener Zeit kannte man Telefone, die man in der Sakkotasche mittragen konnte, nur von aufgeputzten Managern in Hollywoodfilmen.

Das Nokia 5110 war ein damals weit verbreitetes Telefon dieser Generation.

Und heute, wo dieses Gerät nur noch Museumswert hat, erhalten wir Bastler die Restbestände als Aufsatz für Arduinos und andere Mikrokontroller.

Wenn unsere kleinen Heimprojekte keine Netzwerkanbindung haben und Daten zu anderen Diensten schicken oder einfach in Zeitabständen etwas ein- oder ausschalten, dann … ja was dann?
Dann sind sie recht nutzlos.

Außer man setzt ein Display drauf, damit man etwas ablesen kann.
Natürlich gibt es auch noch andere Möglichkeiten, wie sich Geräte bei Menschen bemerkbar machen (z.B. durch Klänge oder einzelne LEDs), aber am nützlichsten sind eben doch grafische Resultate.

LED basierte Displays gibt es viele. Von einer klassischen Segmentanzeige, wo wir vor allem Zahlen durch 7 Striche abbilden können, bis hin zu modernen OLEDs, die uns von einer bis mehreren Farben alle möglichen Kombinationen von Text und Bildern darstellen lassen.

Doch mir fällt auf, dass die Chips für meine Mikrocontroller-Spielereien einen Nachteil haben: Sie fressen gerne recht viel Strom.
Ein getestetes 16x4 Zeichendisplay frißt so viel Strom, dass es von meinem Arduino UNO nicht mehr versorgt werden konnte und eine separate Stromversorgung brauchte. Ich habe es zwar nicht nachgemessen, doch muss es weit über 100 Milliampere oder sogar über 200 mA gezogen haben.

Nicht cool! Eher heiß im negativen Sinne, wieviel da verbraten wird.

Und dann kam das Nokia Display an die Reihe.
Es lässt uns 84x48 schwarze Pixel auf einem hellgrauen Hintergrund darstellen, aber verbrauchte nach meinen Messungen nur maximal 5 Milliampere.

Nokia-5110 Display

Wow! Das nenne ich mal Strom sparen. Und es ist auch logisch, dass damals keine Elektronenfresser verbaut wurden, sondern noch auf die Haltbarkeit der Akkus Rücksicht genommen wurde.

Natürlich muss man hinzufügen, dass das Display selbst unbeleuchtet ist und daher nur bei idealen Lichtverhältnissen gut lesbar ist. Um das auszugleichen sind meist 4 kleine LEDs verbaut, die man einschalten und den Anzeigebereich damit beleuchten kann.

Das kostet natürlich einige weitere Milliampere, hält sich aber dennoch in Grenzen.

Und so lässt sich mit diesem Display die Grundlage für interessante Batterie-betriebene Sensor-Projekte bilden, wo man per Knopfdruck die Anzeige einschalten bzw. beleuchten kann, um von Sensoren ausgelesene Werte wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit anzuzeigen.

Zu kaufen gibt es ein paar unterschiedliche Modelle, wo die PIN-Belegung etwas anders aussieht und beim Preis sprechen wir von 3 bis 10 Euro pro Stück, je nachdem, ob man sich gleich mehrere Exemplare aus Fernost zusenden lässt, oder die schön verpackte Einzelvariante samt Doku beim Elektronikhändler um die Ecke anschafft.

Je nach Modell kann es auch notwendig sein, dass man ein paar Vorwiederstände zwischen sein Display und der MCU packt, wenn die Anzeige nur auf 3.3 Volt ausgelegt ist, der Mikrocontroller aber mit 5 Volt fährt.

Aber ansonsten bin ich ein großer Fan des neuen “alten” Displays geworden.


Im Vergleich zu den Strommengen, die moderne Smartphone-Displays verschlingen (und trotzdem oft nicht viel Interessantes anzeigen), kann ich wieder einmal behaupten:

Früher war alles besser.

Denn diese “Telefone” liefen seinerzeit mindestens 3 Tage ohne aufladen trotz täglichem Telefonat mit Mama und schafften es ohne große Beanspruchung auf mehr als eine Woche.
Und das mit einem nur 900-Milliamperestunden-Akku.

Der Ur-ur-ur-ur-ur-ur-urenkel, nämlich mein Lumia 550, fährt mit 2100 mAh und ich bin schon froh, wenn es zwei Tage ohne Aufladen durchhält.

Auch wenn ich mit dem Gerät zufrieden bin, so hat die Kooperation zwischen Microsoft und Nokia der Marke nicht gerade gut getan. Schade eigentlich. Und ich fürchte, dass in den kommenden 20 Jahren keine Bausätze aus alten Lumias geben wird, die ähnlich viel Nostalgie aufkommen lassen, wie es die alten Nokias heute tun.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!