Commanders, von Norton bis Midnight

Egal ob es sich damals um DOS oder heute um Linux Konsolen handelt(e), niemand will einzelne Dateien per Kommandozeile suchen, bearbeiten und kopieren.
(Außer es handelt sich um sich wiederholende Muster, die automatisierbar sind.)

Und so fand ich schon Mitte der 90er Jahre schnell zum weitverbreiteten Tool Norton Commander (NC.EXE), mit dem ich auf dem Textbildschirm mit den Pfeiltasten durch das Dateisystem huschen konnte.

Das beste am “Commander” war und ist der integrierte Text-Viewer und Text-Editor. Jede ausgewählte Datei konnte per F2 im Nur-Lesen Modus angezeigt werden und per F3 editiert und gespeichert werden.

Auch ein unverkennbares Markenzeichen sind die beiden Dateifenster. Man konnte sich links und rechts zwei separate Datei-Browsing-Bereiche einblenden lassen und mit der TAB-Taste zwischen beiden wechseln.

Somit konnte man zwei Verzeichnisse fast gleichzeitig bearbeiten. Man konnte z.B. links Dateien auswählen und per F5 in des ausgewählte Verzeichnis auf der rechten Seite kopieren.

Diese Möglichkeit kannte ich anfangs allerdings nicht und nutzt so immer nur das rechte Fenster zum Verzeichnis-Durchschauen. Und auf der ungenutzten linken Seite schien dies Ausgabe des zuletzt gestarteten Programms durch.

Eine EXE, COM oder BAT Datei konnte per ENTER sofort gestartet werden. Der Commander blendete sich aus, ließ dass Programm laufen und nach dessen Ende wurde wieder der Commander über den Schirm geblendet.

So lernte ich BATCH-Scripting mit großer Leidenschaft, weil man unglaublich schnell zwischen Editierung und Script-Ausführung mit wenigen Tasten hin- und herschalten konnte.


Gerade unter Linux erlebt dieser Trend bei mir wieder eine Renaissance, da es dort das OpenSource-Tool Midnight Commander (MC) gibt, welches die Ziele des alten NC auf Unix und Linux Systeme überträgt.

Ob es nun mein Orange PI oder NanoPI Neo über die serielle Schnittstelle sind, oder eine Linux-VM über SSH:
Überall muss der MC installiert sein, damit ich effizient Konfigurationsdateien anpassen und zwischen Verzeichnissen herumkopieren kann.

Fazit

Kurz gesagt: Ich liebe dieses Tool und es zählte damals wie heute zu meinen meist genutztesten Werkzeugen in der Systemadministration.

Auch unter Windows haben einige Produkte dieses alte Schema aufgegriffen. Beispiele sind TotalCommander oder FreeCommander.

Gelegentlich setze ich auch diese Programme ein, vor allem der FreeCommander fehlt bei meinen Windows PE Images nie. Doch innerhalb einer Fenster-GUI Umgebung sind sie bei weitem nicht so notwendig, wie auf der guten alten Konsole.

Die Commander Serie bestätigt mir somit, dass alte Konzept quasi ewig leben, wenn sie gut sind und den Nutzern Arbeit und Zeit ersparen.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!