Toshiba T300

Da mein C64 leider gestorben ist, kann sich mein Toshiba T300 mit Hochachtung als mein ältester Computer bezeichnen.

Der aus dem Jahr 1983 stammende Halb-IBM-Klon läuft mit einer eigenen Variante von MS-DOS und bietet eine besondere Diskettenformatierung, die den IBM Floppies damals voraus war.


Als Schulkind der 90er Jahre musste ich beobachten, wie meine besuchten Schulen bis knapp vor dem Jahr 2000 mit antiker Hardware arbeiteten.

Das waren originale IBM PCs, aber eben auch ein T300 als quasi Nachbau. Eben einen solchen konnte ich meiner alten Schule zum Glück abluchsen, und konnte das Gerät so vermutlich vor der Zerstörung bewahren.
Toshiba T300

Und ich bedauere, dass ich mich nicht auch um ein IBM Modell bemüht habe.

Jedenfalls habe ich beim jüngsten Besuch am “alten” Zweitwohnsitz dieses Geräte wieder aus der Ecke geholt und war mehr als erstaunt, dass die Maschine nach über 20 Jahren sofort einsatzbereit war und problemlos von Diskette startete. In Summe ist das Gerät schon sicher 30-35 Jahre alt.

Da kann sich mancher moderne PC eine Scheibe abschneiden, wo Elektrolytkondensatoren oder andere Bauteile nach spätestens 10 Jahren einfach zerfallen.

Hardware

Leider habe ich aus Zeitmangel gar nicht daran gedacht, die Hardware genauer anzusehen, mussten doch einige Disketten am Abend durchprobiert werden.

Es sollte ein 8086 bzw. 8088 Prozessor in der massiven Zentraleinheit stecken. Und ich glaube mich zu erinnern, dass ich sogar das 512 KB-RAM-Modell ergattert hatte, während viele anderen PCs der Schule nur mit 256 KB auskommen mussten.

Festplatte gab es damals keine (viel zu teuer, wenn doch eh nur Schüler damit arbeiten sollten), dafür wurde Platz für zwei Diskettenlaufwerke frei.

Und die Grafikkarte schaffte es, die üblichen 8 bzw. 16 Farben im Textmodus auf den fetten Röhrenmonitor zu übertragen, oder Pixelgrafiken mit bis zu 640 x 350 Pixel zu ermöglichen.

DOS 2.0 Spezial

Während die originalen IBM PCs mit IBM’s eigenen IBM-DOS auf 360 KB-Disketten ausgestattet war, hatte Microsoft für Toshiba offenbar einen eigenen MS-DOS-Klon für genau diese Hardware geschaffen.
Konkret sprechen wir von MS-DOS 2.0, welches von Laufwerk A: (also das obere) gebootet werden konnte.

“Normale” MS-DOS oder IBM-DOS Disketten konnte der T300 nicht booten, während die T300 Disketten wiederum nicht auf üblichen PCs nutzbar waren.

Das bedeutete leider auch, dass eine Aktualisierung auf eine neuere DOS-Version unmöglich war, während ich mich erinnere, dass auf dem originalen IBM-PC auch noch MS-DOS 5 und MS-DOS 6 problemlos startete.

DOS 2.0 kam mit den “üblichen” Verdächtigen wie FORMAT, SYS oder EDLIN. Ein moderne Editor fehlte folglich, doch hier wurde offenbar eine EDIT Software eines Dritterherstellers begepackt, die man als Vorstufe vom späteren MS-DOS EDIT sehen konnte.

Interessant war, dass ein eigenes Toshiba-Basic als TBASIC ebenso auf der Bootdiskette lag, also konnte man sofort mit der BASIC Programmierung starten.

Diskettenformat

Also, keine Ahnung wie oder warum Toshiba es damals so umgesetzt hat, aber die 5.25 Zoll Disketten wurden mit der doppelten Dichte formatiert.
Nein, nicht DD (Double-Density mit 360 KB, also das doppelte der ersten IBM-Formatierung mit 180 KB), sondern ein Non-Standard mit über 500 KB an nutzbarem Diskettenspeicher.

Natürlich funktionierten so formatierte Disketten nicht in normalen (IBM) Laufwerken und auch mein 386er konnte Mitte der 90er dieses Format mit keinem Tool entziffern.

Das speziell angepasste DOS-FORMAT Tool konnte aber per Parameter überredet werden, Disketten mit dem normalen IBM-Standard zu formatieren, und so war ein Austausch von Daten auch zwischen unterschiedlichen PCs möglich.

Ich kann nur vermuten, dass die Lese- Schreibköpfe der Laufwerke um einiges leistungsfähiger waren als jene der Konkurrenz, denn wenn es gelingt auf dem gleichen Medium fast doppelt so viel Kapazität herauszuholen, als es damals üblich war, und dass diese Daten 20 Jahre nach ihrer Aufzeichnung noch vollständig da sind, … tja, da bin ich echt beeindruckt.

Software

Hmm … naja, das einzige, was wir damals in der Schule nutzten war TBASIC und das mehr als primitive Turbo Pascal 3, welches per Tastencodes zwischen einem Menü/Compiler Modus und einem Texteditor hin und herschalten konnte.

Meine geliebten Spiele wie Alley Cat oder diverse andere Schulprogramme liefen darauf nicht, weil sich die Grafikkarte offenbar nicht EGA/VGA konform verhielt.

Ich erinnere mich auch, dass ich damals mit ein paar Assembler Zeilen anfangs ebenso an der Grafik gescheitert bin, bis ich feststellte, dass einfach andere Adressbereiche gültig waren.

Die übliche Adresse B000:8000 für farbigen Text lag (glaube ich) auf B000:0000, wo eigentlich der Monochrom-Bereich liegen sollte usw.

Lediglich ein offenbar selbst-programmiertes PacMan aus ASCII-Zeichen, war auf den Disketten dabei.

Ansonsten liegen nur noch ein paar Code-Dateien von Mathematik-Spielereien wie Quadratwurzel berechnen auf den Disketten.

Fazit

Ach … die gute alte Zeit.
Ich bin eigentlich froh, dass ich nur an Schulen mit völlig veralteter Hardware war. Ich meine wer arbeitete in den späten 90ern noch auf PCs ohne Festplatte, damals löste gerade der Pentium den 486er ab, und sogar ich hatte meinen 386 und 486 mit Festplatten bestückt…

Und genau wegen solcher antiker und langsamer Hardware trieb es mich in Richtung Assembler, wo ich dann mit einem Grinsen der überforderten Lehrkraft sagen konnte:

Mein Programm kann das viel schneller.

Die Tatsache, dass ein Gerät mit Baujahr 1983 im Jahr 2019 immer noch problemlos startet ist eine wahre Sensation.

Einziger Nachteil ist und bleibt die nicht vollständige IBM-PC-Kompatibilität. Denn mit einer solchen könnte sich das Gerät in jedem Museum stolz präsentieren. Doch mangels kompatibler Software für diesen Exoten bleibt er nur ein weiteres Sammlerstück, welches am Zweitwohnsitz wieder in Vergessenheit geraten wird.
Aber trotzdem mag ich ihn … meinen geretteten T-300.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!