Frage: Wozu ist ein Betriebsrat da?

Antwort: Aus Sicht meiner Arbeitswelt, zu gar nichts.
Und das ist schon etwas frustrierend, wenn man davon ausgeht, dass die offizielle Funktion die “Vertretung der Arbeitnehmer in einem Betrieb ist”.

Doch in den letzten 15 Jahren habe ich noch kein Unternehmen kennenlernen dürfen, in welchem “meine” Interessen je verteten wurden.


Eines muss ich natürlich vorausschicken:
Grundsätzlich halte ich die Besetzung von Vertretungsorganen aller Gruppen in einem Unternehmen für absolut notwendig und in einer Demokratie auch für selbstverständlich.

Wenn es aber um den IT Bereich geht, wird für mich leider immer wieder deutlich, dass diese Institutionen irgendwo in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stehen geblieben sind und daher (“Es gilt die Unschuldsvermutung!”) nicht fähig sind, die Herausforderungen und Bedürfnisse von IT-Mitarbeitern zu erkennen und schon gar nicht diese vor anderen Gruppen (wie der Geschäftsführung) zu vertreten.

Meine Erfahrungen mit “meinen” Betriebsräten beginnen damit, dass sie auf Anfragen per E-Mail nicht reagieren. Anstattdessen wird bei ihren seltenen inspektorischen Rundgängen immer angekündigt, man möge doch einfach persönlich bei Ihnen vorbeischauen, was dann natürlich dazu führt, dass sie NIE im Büro sind, wenn man eben mal vorbeischauen möchte.

Da sollte man glauben, dass hochmoderne Kommunikationsformen wie “E-Mail”, genau das verbessern könnte … aber natürlich nur, wenn der Betriebsrat dieses Medium nicht ablehnt.

Ging es darum die Arbeitssituation zu verbessern, freute ich mich einmal sogar, dass mit betroffenen Gesichtern abgenickt wurde, dass eine suboptimale Büroraumplanung sofort überarbeitet werden sollte.
Doch das war vor den Arbeiterkammerwahlen, wo es darum ging sich als Betriebsrat öffentlich und interessiert zu zeigen.
Die versprochene Unterstützung kam - wie konnte es sonst sein? - natürlich nie.

Und dann kommt ein für mich wichtiges Thema, nämlich die Weiterbildung.
Da ist es schon schlimm genug, dass meine Arbeitgeber entweder keinen Plan haben oder kein Budget bereit stellen wollten, denn wozu sollte man sich in der IT bzw. der Programmierung weiterbilden?
Nein, schlimm sind die leeren Gesichter von Betriebsräten, wenn man sie nach Weiterbildungsoptionen und -modellen befragt.

Denn ich habe schon die Erwartungshaltung, dass “meine Vertretung” als Arbeitnehmer zumindest weiß, was meine Arbeit ist.
Doch Fehlanzeige, in Sachen IT sitzt hier zumeist ein beliebiger “Büromensch” vor mir, der dann auch oft ehrlich zugibt, dass er nicht mehr tun kann, als ein paar Listen durchzugehen, wo von Kursen für Word Excel und PowerPoint die Rede ist.
… und an der Stelle ist dann das Gespräche aus meiner Sicht beendet.

Also liegt es als Arbeitnehmer alleine bei mir, mir ein Seminar oder FH Lehrgang irgendwo selbst herauszusuchen um diese dann mit einen Vorgesetzten zu vereinbaren.

Das ist ja auch OK, aber wozu es dann noch eine “Arbeitnehmervertretung” gibt, die mich bei solchen Angelegenheiten unterstützen soll um “das Beste” für mich rauszuholen, weiß ich offen gesagt nicht.

Betriebsrat abschaffen?

In IT Betrieben: Ja, wieso nicht …

Aber mal im Ernst:
Die besten Erfahrungen mit Betriebsräten habe ich vor 15 Jahren bei Industriearbeitern gemacht. Die dortigen Personen saßen selbst am Gabelstapler und kannten daher den Job und wussten was “ihre Jungs” brauchten. Da konnte man klar und deutlich sehen, wie sinnvoll es ist, dass jemand für die Belegschaft mal was beim Chef durchsetzt.

Doch in der IT sind mir solche Charaktere leider noch nie begegnet.
Und genau das ist das Problem.

Also Nein, man soll Betriebsräte nicht abschaffen, aber es wäre im 21. Jahrhundert mal verdammt notwendig, dass dieser Berufsstand den Sprung ins neue Zeitalter schafft und nicht davon ausgeht, dass WIR Programmierer mit Ochsenkarren Felder pflügen und daher neue Winterstiefel brauchen.

Vielleicht ist es ein Jammern auf “hohem Niveau” bei mir, denn zu meist geht es den Software-Entwicklern nicht “soooooo” schlecht.
Dennoch erwarte ich mir von “meiner Arbeitnehmervertretung” ein Mindestmaß an “Kompatibilität” für die Herausforderungen in modernen Arbeitsumfeldern.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!