Easter Eggs

Dass Programmierer immer ein paar Geheimnisse in ihren Werken hinterlassen, ist vermutlich schon seit Anbeginn der IT so.

Neben der schwachen Story im Film Ready Player One fand ich am Ende (Achtung Spoiler!) die Idee aber sehr nett, dass ein uraltes “Easter-Egg” des Rätsels Lösung war.


Meine ersten Programme in QBasic und TurboPascal schrieb ich noch ganz ohne Einfluss des Internet. Ich kannte daher den Begriff Easter-Egg nicht und hatte auch kein “kulturelles” Vorbild, an dem ich mich orientieren konnte.

Und dennoch war der Reiz vorhanden “etwas” ins Programm einzubauen, das man regulär nicht finden konnte, und nur durch eine nicht dokumentierte Tastensequenz ausgelöst werden konnte.

Dabei handelte es sich um einen speziellen Bildschirm, der (ganz Star-Trek-like) eine Selbstzerstörungssequenz auslösen oder eine Softwarekopie anlegen konnte.

Nicht sehr originell und auch nicht sonderlich nützlich, aber am Ende beider Routinen kam dann ein Verweis auf den Meister - also auf mich selbst.

… hört sich heute etwas peinlich an, aber als Jugendlicher findet man das eben “cool”.

Mit dem Internet nach den 2000ern erkannte ich aber, dass solche Spielereien in zahlreichen großen Softwareprodukten eingebaut worden war.
Von Microsoft Office bis zur VB 6 IDE gab es Anweisungen, wie man zu speziellen Fenstern gelangen konnte, die die Macher auflisteten oder ein paar Animationen zeigten oder diverse Farben in der Software umstellten.

Vielleicht liegt es daran, dass “wir” Softwareentwickler immer darunter zu leiden haben, dass nur die Oberflächen unserer Werke gesehen und anerkannt werden, doch die komplexen Abläufe unter der Motorhaube stets verborgen bleiben.
Es mag verletzter Stolz sein, der uns glauben lässt, wir müsste “noch präsenter” sein, weil uns niemand bemerkt, und daher arbeiten wir weitere “Geheimnisse” in unsere Produkte ein, um sie mystischer wirken zu lassen und um uns zu freuen, wenn der eine oder andere Fan das Rätsel löst und unsere “Easter-Eggs” per Zufall oder durch langes Suchen findet.


Wie auch immer … heute ist Ostersonntag, und auch wenn mich der religöse Hintergrund wenig tangiert, so gehört dieser Feiertag dennoch zu unserer Tradition.
Und während Eltern sich daran erfreuen, dass ihr Nachwuchs die Eier im Garten sucht, die sie selbst Minuten zuvor versteckt haben, so tüftle ich eben an eine paar Ideen, wie man Easter-Eggs in Bibliotheken einbauen kann, ohne dass sie schadhaftes Verhalten auslösen.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!