Loki und die TVA

Diese Woche wurde die letzte Folge von Marvels neuester Serie Loki ausgestrahlt (bzw. ausgestreamt).

Und … W-T-F, ich hätte nie gedacht, was sich daraus nun für die “Zukunft” … oder sagen wir mal, “die Zeitlinie” ableiten wird.


Vorsicht! Spoiler voraus!

Es war eine 1-Minuten Szene in Avengers Endgame in welcher der Hulk Schuld daran war, dass sich der bereits besiegte und überführte Loki mit dem Tesserakt wegteleportieren konnte.
Im Film musste dann eine weitere Zeitreise herhalten um den 2014 verschwundenen Tesserakt durch einen anderen zu ersetzen und damit war die Sache gegessen.

Doch schon damals wusste man, dass diese nicht weiter geklärte Szene etwas Wichtiges bedeuten sollte. Denn Loki hätte in seinem Gefängnis in Asgard sitzen sollen, bis die Dunkelelfen … usw. und so fort.

An dieser Stelle wurde das “Multiversum” in “Marvels Cinematic Universe” verankert, in der es also mehrere Welten mit unterschiedlichen Ausgängen von Ereignissen geben konnte.

Und nun erklärte uns also endlich eine eigene 6 Folgen Serie, was es mit den “alternativen Zeitlinien” auf sich hat.
Denn dieses Konzept ist “schwierig”. Da fiebert man mit seinen Helden mit und hofft, dass sie siegreich sind, und dann erfährt man, dass es sowieso unendlich viele Möglichkeiten gibt, wo alles anders verläuft und auch “die Bösen” gewinnen.
Das versaut einem im Nachhinein eigentlich jeden heroischen Film.

Genialer Einstieg

Doch dann sehen wir in der ersten Minute der Serie Loki, wie der seiner Bestimmung entronnene Antiheld von einer “Zeitlinien-Polizei” (der Time-Variant-Authority == TVA) aufgegriffen wird. 5 Minuten später kommt der Erklär-Bär (namens Ms. Minutes) und beschreibt die “Heilige Zeitlinie”, die um jeden Preis erhalten werden muss und alle “Varianten”, die sich davon abspalten, werden von eben dieser Organisation wieder zurückgesetzt.

WOW, damit ist der alte Weltaufbau also wieder in Ordnung. Auch trotz eines Multiversums mit unterschiedlichen Möglichkeiten, gibt es weiter nur eine “gewollte” Form, in der alles so ist und bleibt, wie wir es gewohnt sind.

… wäre da nun nicht “der Gott des Schabernaks”, der es immer wieder schafft Chaos in die Ordnung zu bringen.

Loki vs. Loki

Und ich empfinde es schon fast als Geniestreich, dass die Serie anfangs davon handelt, dass unser gestellter Avengers-Loki nicht ausgelöscht wird, sondern als “Berater” fungieren soll, eine andere viel gefährlichere Loki-Variante zu jagen und dingfest zu machen.

Dass nun ein Loki mit einem anderen Loki klarkommen muss, bietet alleine schon genug Stoff um verfilmt werden zu müssen. Doch dass es auch noch ein Loki-Mädchen ist, macht es extrem interessant. Und so sehen wir einige Interpretationen, wie die zwei selbsterklärten Bösewichte eine Beziehung zu einander aufbauen.

Und es wäre nicht Marvel, wenn man nicht hinter jedem Stein eine Anspielung und einen versteckten Hinweis finden würden.

Übergreifendes Chaos

Am schönsten ist es (für jemanden wie mich, der die originalen Comics nicht kennt), dass nun frühere Begriffe mehr Sinn ergeben. “Nexus” wurde als Begriff schon in WandaVision eingeführt und mit der Bedeutung der Nexus-Events erhält die andere Serie nun nocheinmal mehr Tiefe.

Und da Wanda “Chaos-Magic” nutzen kann und die TVA gegen eben dieses ankämpft um eine “Total Madness” im Multiversum auszulösen, weist ja schon auf den kommenden Film Doctor Strange in the multiverse of madness hin.

Aber der für mich unerwartete Hammer-Moment war dann das Staffel-Finale, das seine Ähnlichkeit zu Avengers Infinity War kaum leugnen kann.

Denn nun wissen wir, welcher noch viel gefährlichere Bösewicht die nächste Marvel-Phase dominieren wird. Und wir haben eben (wieder) kein Happy-End, sondern allen Grund zu hoffen, dass sich alle Superhelden erneut formieren um eine noch viel schlimmere Bedrohung als Thanos zu bekämpfen.

Fazit

Nachdem Falcon and the Wintersoldier ein ganz normales Actionspektakel war, hat es Loki (ähnlich wie WandaVision) mit seiner Story geschafft, mich zu überraschen. Nichts verlief erwartet ab und am Ende kam sowieso alles anders.
Das ist, was ich an Marvels Erzählstil wirklich schätze. Man fiebert jede Woche auf die neue Episode hin und kann es kaum erwarten, die Auflösung zu erhalten.

Leider hat Loki aber auch die Tendenz, die vorhergenden Filme abzuwerten. Es fing in der ersten Folge an, wo die früher allmächtigen Infinity-Steine nur noch kraftlose Briefbeschwerer wurden. Und wenn am Ende immer ein noch krasserer Bösewicht zum Vorschein kommt, erscheinen die bereits erlebten Abenteuer wertlos und an der Stelle - finde ich - sollte Marvel aufpassen, dass sie sich ihr bisheriges Meisterwerk nicht kaputt machen.

Letztendlich habe ich auch etwas Angst, dass mit der Einführung von “Jetzt ist alles möglich und alles wird noch extremer.” die Geschichte des Heldentums zur billigen Seifenoper verkommt.

Doch … auch mit Inifinity War und Endgame hat Marvel gezeigt, dass sie das Ruder noch herumreißen können, und deshalb bin ich voller Hoffnung und freue mich auf die “multiple” Zukunft.

Auf jeden Fall ziehe ich den Hut vor den Machern, die es trotz mehr als 10 Jahren von unterschiedlichen Handlungssträngen es immer wieder schaffen, doch noch einen drauf zu setzen!


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!

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