HD Dilemma

Irgendwann Mitte der 90er, kurz vor dem Windows 95 Release hatte ich wieder mal eine PC-Zeitschrift mit Heft-CD gekauft und darauf befand sich ein krasses Update für Windows 3.11: nämlich Video für Windows … und eine AVI Datei.

Nach der Installation auf meinem 486DX2 mit 16-Farben-640-x-480-Pixel-Windows öffnete ich also diese “AVI” Datei.

Es war eine Revolution. Auf dem PC lief eine 30 Sekunden Sequenz irgend eines Sport-Ereignisses in einer Auflösung von so 240 x 180 Pixel mit vielleicht 10 bis 15 Frames pro Sekunde. Die Farben waren ge-dither-t aber es sah so “real” aus auf dieser Kiste, wo man sonst nur Fenster mit seinen 4 Primärfarben (weiß, schwarz grau, blau) herumschieben konnte. Media-Player

Die AVI-Datei war natürlich riesig, mehrere Megabyte groß. Auf eine Diskette war sie nicht zu bekommen. Also hatte sich das neue 4x-CD Laufwerk doch als gute Investition bestätigt.


2018: Jetzt gerade rechnet sich mein Core i3 an einer 15 GigaByte Blu-Ray Datei zu Tode.

Die mit dem BD-Brenner verkaufte Abspiel-Software verweigert ihren Dienst, weil sie meint, meine Grafikkarte verhindere nicht das Abgreifen der Videodaten zwischen PC und Monitor.

OK… also extrahieren wir das Video in eine Datei … aber bei 15 GigaByte für 90 Minuten wird auch eine 3 TeraByte Platte verdammt schnell voll.
Die Lösung: Wir rechnen die Daten auf ein “vernünftigeres” Maß runter.

HandBrake ließ sich dazu schnell im Netz finden, und liefert mir brauchbare Ergebnisse im 1.5 bis 2 GigaByte Bereich. So kann man auch eine Serien-Staffel mal auf der Platte zwischenspeichern, ohne dass man gleich eine neue kaufen muss.

Der Computer läuft dann während der Arbeit oder während der Nachruhe durch, denn es dauert schon eine ganze Weile, bis 1920x1080 auf 1280x720 in Software runtergerechnet sind.


Vielleicht bin ich altmodisch, aber dass ich jedes Brusthaar und jeden Pickelzipfel einzel hochaufgelöst sehen kann, täuscht nicht darüber hinweg, dass die Inhalte vieler Stories … naja, sagen wir mal nicht gerade “stark” sind.

VHS brachte es auf nur maximal 576 Bildzeilen und schaffte es dennoch die Familie vor den Fernseher zu zitieren, wenn am Folgetag die Aufzeichnung der letzten Nacht abgespielt wurde.

Heute stehe ich vor einem HD-Appstore-Netflix-Amazon-Zirkus, sehe mich gezwungen etwas herunterzuladen, und breche es dann trotzdem oft nach 30 Minuten ab, weil … ach, ist doch eh immer das gleiche.

Zurück bleibt dann ein 1000 mal größerer Datenmüll als noch vor 10 Jahren.

Fazit: Weniger ist manchmal mehr.

Nachtrag: Ages of Empires Definitive Edition frisst heute 20 GB für HD-Grafiken. Gegenüber der einen 650 MB CD von damals einfach nur Völlerei.
Und was haben sie NICHT aktualisiert: Die unerträgliche Kollision von Einheiten. 2 Pferde brauchen länger um an einer Ecke an einander vorbei zu kommen, als ich zum Verfassen eines Blog-Eintrags. Sie sehen sich an, trappeln einen Schritt zurück, wieder nach vorne, sie sehen sich an, trappeln wieder einen Schritt zurück, u.s.w. Dieser Bug kann ein 20 Minuten Spiel auf eine Stunde strecken.

… aber hey … dafür hat jetzt jedes einzelne Fellhaar seine eigene Textur.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!