Videoschnitt mit Virtual DUB

Fortsetzung zu gestern: Apropos Video!

Das Video-Tool Virtual-DUB zählte für über 10 Jahre zu einem meist genutzten Tools am PC.
Schließlich wurde jede Woche entweder etwas im Fernsehen mit der der TV-Karte aufgenommen, oder ein DVD-Inhalt auf eine CD herunterkonvertiert.

Und das tat ich mit dem OpenSource Video-Editierungs- und -Konvertierungs-Tool Virtual DUB (www.virtualdub.org.

Während ich Anfang 2000 noch keinen DVD Brenner besaß und auch DVD-Rohlinge weder leistbar noch breit vorhanden waren, gab es CD-Rohlinge in Hülle und Fülle. In Hardwareläden standen teils Paletten mit 10-CD-Päckchen für (glaube ich) 2 Euro, die im Jahr zuvor noch 8-10 kosteten. Und alles ging weg wie warme Semmeln, bis die Musikindustrie mit zusätzlichen Abgaben die Preise wieder in die Höhe trieb.

Ich hatte in jenen Tagen gelernt, dass VHS-Kasetten nur wenige Jahre haltbar sind und Filme, die nur einmal im Fernsehen ausgestrahlt wurden plötzlich für immer verschwinden konnten.
Daher war es ein Sport geworden, alles aufzuzeichnen.

Virtual-DUB war deshalb so perfekt für mich, da es erstens kostenfrei war und zweitens sehr viele Anpassungsmöglichkeiten bot. So konnte ich die gleiche Videoquelldatei mit mehreren Video-Codecs ausprobieren und schnell die richtigen Parameter für eine verträgliche Bildqualität und möglichst geringen Platzverbrauch ermitteln.

Angefangen hatte alles mit Microsofts gehacktem MS-MPEG-4 Codec, der damals revolutionär gute Ergebnisse lieferte. Dies führte zum DivX Codec, der eine neue Implementierung schuf und bis ins Jahr 2010 mein Primärcodec blieb.
Auf der Audio-Seite war MP3 mein Favorit.

Virtual-DUB spielte perfekt mit Microsofts DirectShow zusammen, einer Schnittstelle für Video und Audio-Quellen wie auch für Codecs zu den unterschiedlichsten Kompressionsalgorithmen.

Jeder Codec, der dem DirectShow-Schema entsprach war damit für Virtual-DUB nutzbar. DVDs, die alle mit MPEG-2 kodiert sind, musste ich mit anderen Tools (wie FlaskMPEG) erst in AVI Dateien ohne Kompression umwandeln, damit Virtual-DUB sie öffnen konnte.

Doch dann kamen die Filter und Schnittoptionen meines Lieblingstools zum Einsatz.
So konnten Werbeblöcke aus TV-Aufzeichnungen gezielt entfernt werden und (man möge es mir verzeihen) 16:9 Filme auf 4:3 zurechtgeschnitten werden.

Denn nachdem die Monitor damals ein 4:3 Format hatten ärgerten mich die Übergroßen schwarzen Streifen, und nachdem an den Rändern links und rechts ohnehin nur wenig Handlung stattfand, wurden sie durch das Tool einfach abgeschnitten.

Eine besondere Bedeutung hatten für mich die Farbfilter, die beim Digitalisieren alter VHS-Kasetten Farbübersteuerung und mangelnde Schärfe ausgleichen konnten.

Besonders alte mit der analogen Kamera aufgenommene Familien-Videos wurden so etwas restauriert und für die Ewigkeit auf feste Nullen und Einsen genormt.


Nun, mit der Zeit wurde die Video-Aufnehmerei immer unwichtiger und seitdem YouTube zum “neuen” Videoarchiv geworden ist und viele Filme online für wenig Geld kaufbar wurden, war es nicht mehr notwendig Filme und Serien aus dem TV abzugreifen.

Doch den wahrscheinlich wichtigsten Beitrag zu meinem Leben machte das Virtual-DUB Projekt ab dem Jahr 2008, als ich die spannende Welt von C++ erforschte und die Virtual-DUB Quellen dafür heranzog.

Anfangs verstand ich wenig bis gar nichts davon, doch im Laufe der Zeit entwickelte ich selbst erste Routinen mit dem DirectShow Framework und genau dafür diente mir das Projekt als hervorragende Referenz.

Der BLOG, der auf virtualdub.org bis 2013 geführt wurde ist außerdem ein wahres Wunderwerk für Optimierungen in der Bildberechnung und zusätzlich ein Zeugnis dafür, dass sich Assembler auch in heutigen Tagen immer noch lohnen kann.
(Ja, es gibt auch noch Bereiche, wo selbst neueste C++ Compiler nicht an die Genialität des menschlichen Verstandes in Sachen Optimierung herankommen.)

Natürlich bedauere ich, dass das Programm wie auch seine Schnittstellen heute nicht mehr zeitgemäß sind und daher auf Eis gelegt wurden.
Denn AVI, DivX und DirectShow wurden durch MKV, H.265 und der Media-Foundation ersetzt, weshalb man die alten Formate immer seltener antrifft.

Dennoch werde ich Virtual-DUB und seine Quellcodes immer in Ehren halten!


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!