Open Source Software

Ein Krebsgeschwür nannte Steve Balmer die Open Source Initiative einst und schloss so sein Unternehmen für Jahre von vielen technischen Erfolgen aus.

Doch abseits von sich bedroht fühlenden Konzernen waren die Ziele der Open-Source Entwickler etwas ganz anderes und stellen vielleicht die großte positive Revolution des 20sten Jahrhunderts dar, die heute womöglich sogar bedroht ist.

Über Jahrhunderte war Wissen nur wenigen Auserwählten vorbehalten, die es in großen Bibliotheken in Schlössern und Klöstern wie einen Goldschatz horteten. Man erzählte sich, dass er da war, aber sehen durfte ihn das gemeine Volk nicht.

Erst im letzten Jahrhundert drängten die Auswirkungen von bedauerlichen Kriegen den absolutistischen Hochadel und sein kommunistisches Gegenstück zurück.
Viele Menschen sprachen sich für ein soziales Miteinander aus und so konnte Europa neu aufblühen und uns den Wohlstand einbringen, den wir heute täglich genießen.

Im Mikrokosmos des Computerzeitalters scheint sich dieses Schema zu wiederholen und so blieben auch ob ihres hohen Preises alle technischen Neuheiten anfangs nur den wohlhabendsten Universitäten und Großkonzernen vorbehalten.

In den 80er Jahren erkannten viele führende Informatiker, dass diese Beschränkung kontraproduktiv ist und die Evolution von Software (und Hardware) unnötig limitiert.
Mit der Bestrebung ein “für alle frei verfügbares Unix” mit Entwicklungstools zur Verfügung zu stellen, schossen gleich mehrere Projekte wie GNU und BSD aus dem Boden, und Anfang der 90er Jahr wurde mit dem Betriebssystem Linux diese Vision für die Allgemeinheit Wirklichkeit.

Open Source bedeutet mehr als nur: “Sie können sich auch den Quellcode ansehen”. Im Mittelpunkt steht der Ansatz, dass jeder Benutzer in der Lage sein soll, sowohl zu verstehen, was sein Computer gerade macht und auch soll er an jeder Stelle bei Bedarf eingreifen können.

Anstatt dass also ein Konzern einem vorschreibt, wie Abläufe auszusehen haben, kann jeder frei entscheiden, ob er dem Ablauf zustimmt oder nicht.
… und das bedeutet: Mehr demokratischer geht es gar nicht mehr.

Dieser Offenheit ist es zu verdanken, dass das Computerzeitalter im privten Haushalt angekommen ist und dass das Internet allgegenwärtig geworden ist.

Dann man muss kein Programmierer sein, um Open-Source-Software zu nutzen. Aber eben die Tatsache, dass es Open-Source-Software gibt, ermöglicht es Unterstützern für Endbenutzer Software zum Nulltarif zusammenzustellen.

Offene Quellen bedeuten auch offene Standards und ein gemeinsames Entwickeln.

Erinnern wir uns an die glorreichen Tage der Heimcomputer, wo Atari, Commodore, Sinclair, Apple und einige andere ihren eigenen besten Computer entwickelten und nicht ein einziges Bit von der Konkurrenz gelesen geschweige denn geschrieben werden konnte.
Jeder hatte sein eigenes proprietäres Laufwerk, sein eigenes Netzwerk, seine eigene Grafik, seine eigenen Disketten und sein eigenes Format.

Kurz gesagt: Nichts war weiterverwertbar.

Nach vielen Kämpfen hat es die Open-Source Bewegung geschafft, dass wir heute sicherere Protokolle auf allen Geräten lesen und versenden können, und das die Welt vernetzter und vereinter ist, als sie es im vergangenen Jahrtausend war.


Doch dieser unglaubliche Erfolg ist “nicht unzerstörbar”, oder anders gesagt: Er ist zerstörbar.

Denn während viele essentielle offene Betriebssysteme und Protokolle vor 30 Jahren ohne Patentansprüche und Monopolgedanken entwickelt wurden, so nehmen sich heute Konzerne wie Google, Facebook, Apple und Microsoft die kostenlosen Resultate dieser Zeit und versuchen auf ihre Weise den Markt nur für sich alleine zu erobern.

Apps werden wieder stärker an Plattformen gebunden, die heute zwar auch im Web liegen, aber unter der alleinigen Kontrolle von Konzernen und damit leider auch ihrere Werbepartner stehen.

Ein Beispiel: Seit langem hätten wir mit XMPP (Jabber) einen Standard um alle Instant-Messaging Dienste zu vereinen, doch so lange Skype, Hangout, Twitch, Whatsapp und der Facebook-Messenger nur sich selbst im Kopf haben, vereiteln wir uns die Möglichkeit weltweit offen und trotzdem sicher zu kommunizieren.

Fazit

Mein einziges Bedenken gegen Open-Source ist die Tatsache, dass man selbst nicht mehr kontrollieren kann, wer die eigene Software ge- bzw. missbraucht.
Doch wenn man an die Vorteile denkt, ist der Open-Source Grundgedanke ein wesentlicher Grundstein für eine friedliche und erfolgreiche Gesellschaft von morgen.

Es ist kein Geheimnis, dass sowohl Teile meines Wissen als auch das vieler anderer Entwickler nur durch das Studium von quelloffenen Programmcodes zustande kam. Dafür kann ich dieser Initiative nicht genug danken.

Und ich bedauere daher intensivst, dass mir jedes Softwareunternehmen, für das ich bisher gearbeitet habe, mir aus purer Blindheit untersagt hat, Entwicklungsergebnisse in die Community zurückfließen zu lassen. … und dass obwohl viele dieser Ergebnisse auf Open Source Software basieren.

Doch ich hoffe dieses traurige Manko in Zukunft privat besser ausgleichen zu können.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!