Andere PI Varianten

Neben dem Raspberry PI gibt es einige andere SOC (System-on-Chip)-Projekte, die sich den griechischen Buchstaben PI ebenso auf die Brust schreiben.

Ich besitze davon den Nano PI Neo und den Orange PI Zero. NanoPI, OrangePI, RaspberryPI

Beide Geräte stehen in Konkurrenz zum Raspberry PI Zero und zeichnen sich durch geringe Preise und ein reduziertes Design aus und sind besonders auf IoT Anwendungen ausgelegt.

Natürlich gibt es von allen drei Herstellern auch noch stärkere Geräte, die als Arbeitsplatzrechner einsetzbar wären, doch um die soll es hier nicht gehen.

CPU und Stromverbrauch

Rechentechnisch ist der Raspberry PI Zero mit einem Kern und 1 GHz am schwächsten bestückt, während die beiden anderen mit einem Quad-Core Prozessor mit 1.2 GHz hochfahren.

Wer also Rechenpower benötigt sollte die beiden 1.2 GHz Geräte in Betracht ziehen und sich auch gleich entsprechende Kühlkörper für Chips bestellen.
Denn die werden dann besonders warm.

Daher ist der Raspberry PI Zero besser für Einsätze mit wenig Strom (z.B.: per Akku bzw. Powerbank) geeignet.

LAN und WLAN

Wer sein System per Kabel ans LAN hängen möchte, hat ebenfalls mit dem Orange PI und dem NanoPI Neo seine Freude, die einen LAN Port verbaut haben. Der Raspberry PI Zero hat einen solchen nicht.

Will man hingegen nur kabelfrei im WLAN arbeiten, braucht man entweder den Raspberry PI Zero W (es gibt den alten originalen PI Zero ohne WLAN), oder den Orange PI. Der NanoPI Neo bringt dieses Feature nicht mit, lässt dem User aber die Möglichkeit einen WLAN-Dongle per USB anzustecken.

Display

Für Monitore ist nur der Raspberry PI Zero direkt zu haben, der mit einem Mini-HDMI Anschluss geliefert wird. Die beiden anderen Geräte haben keinen solchen Anschluss, doch man kann kleinere Displays über SPI an ihren PIN-Headern betreiben.

Anschlüsse für Peripherie

Raspberry hat 2 Micro-USB-Ports auf seinem Brett, wovon aber einer nur der Bestromung dient und somit nur der andere für Geräte nutzbar ist. Dafür haben wir den üblichen Anschluss für eine Kamera verfügbar.

Sowohl der NanoPI also auch der OrangePI werden über einen Micro-USB-Port bestromt und haben einen USB-A-Port für die Peripherie am Board verbaut. Zusätzlich kam man aber noch zwei weitere USB Ports über den seitlichen PIN-Header nutzbar machen. Dafür gibt es eigene Shields zum Draufstecken im Handel. Audio Lautsprecher- oder Mikrofon-Pins sind ebenfalls auf diese Weise nachrüstbar.

Alle 3 Geräte stellen einen breiten GPIO Header mit digitalen PINs, wie auch für SPI, I2C und TTL - UART für Sensoren und andere Geräte (wie der oben erwähnte Display) bereit.

Software

Nur Linux! Windows 10 IoT Core ist laut meinen Infos auf allen 3 nicht lauffähig. Der PI Zero kann out-of-the-box mit der userfreundlichen GUI auswarten, während OrangePI und NanoPI vorwiegend für den Headless-Betrieb ausgerichtet sind.
Dennoch sind alle 3 Geräte softwareseitig sehr gut ausgestattet, da sich alle benötigten Features online nachinstallieren lassen. Fertige Images für die SD-Karte (Mindestgröße 4 GB) findet man auf den Herstellerseiten.

Kosten

Der originale Raspberry PI Zero ist schon für 5 Euro zu haben, bietet aber die wenigsten Features (und ist heute kaum mehr zu finden). Mit 10 Euro hat man aber mit einem Raspberry PI Zero W alles, was man für Desktop- und IoT-Arbeiten braucht.

Um 1-3 Euro mehr gewinnt man ordentlich Rechenpower und kann auch über den Einsatz als kleiner Netzwerkserver nachdenken.

Mein Fazit:

Der Raspberry PI Zero W ist mein persönlicher Favorit.
Mir geht es weniger um Rechenleistung und ich finde es toll, wenn ich das Gerät mit meiner Smartphone-Powerbank betreiben kann.

Der HDMI-Anschluss macht aus dem Raspberry einen “Computer-to-GO”, der mich im Rucksack begleitet und mit einem Auf-Standard-HDMI-Adapter an jedem modernen Fernseher und Monitor angeschlossen werden kann um etwas herzuzeigen. Mit einem kleinen USB Hub dazu wird er zum vollständigen PC, der auf einer Fläche von 10 x 10 cm Platz hat und selbst vom USB Port eines anderen PCs aus mit Strom versorgt werden kann.

Wegen ihres Stromhungers ist das mit den beiden Konkurrenten leider nicht möglich, sie brauchen ein Micro-USB-Netzteil mit mindestens 1 Ampere Leistung (Vergleich: USB-Standard stellt 500 Milliampere bereit).

Aber im Grunde genommen mag ich alle 3 Chips sehr.

Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass wir unsere Desktop-PCs mal in der Fronttasche des Rucksacks oder einer Damenhandtasche mittragen können?


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!