Der PI-Top

Warum gibt es eigentlich keine Laptops, die auf der ARM-Plattform basieren?

Unzählige ARM-Tablets mit Android finden wir in jedem Laden heute, doch keinen einzigen Laptop?

Zum Glück gibt es ein Projekt, welches sich in den Kopf gesetzt hat, den Raspberry-PI “tragbar” zu machen …


Es ist schon schlimm genug, dass Microsoft seine Windows-on-ARM Initiative vor Jahren in den Sand gesetzt hat. Vielleicht erleben wir da noch eine Renaissance, aber vorerst gibt es fast ausschließlich nur Laptops auf Basis der X86 und X86-64 Plattformen … also quasi herkömmliche PCs zum Tragen.

Dabei wären Systeme mit ARM-Prozessoren, die in allen Smartphones und Tablets stecken, ebenso gut geeignet um ordentliche Arbeitslaptops daraus zu bauen. Doch Fehlanzeige, zumindest in meinem Umfeld ist solche Hardware nicht verfügbar.

Mit dem PI-TOP haben wir jedoch eine Möglichkeit gewonnen, einen ARM-Laptop in die Finger zu bekommen:

Man nehme einen Handelsüblichen Raspberry-PI (2B oder 3B) und stecke ihn in ein PI-TOP Laptopgehäuse. Und schon haben wir einen vollständigen Laptop, der mit einem ARM-Chip betrieben wird und auf dem eine ARM-basierte Linux-Distribution läuft.

Ich glaube ja, dass Betriebssystemstandards der Grund dafür sind, warum ARM-Laptops nicht angeboten werden. Denn während reguläre Laptops wie PCs sich an den BIOS oder EFI Standard halten, haben ARM-basierte Chips wenig bis keine Vorgaben, wie ein OS von ihnen gebootet werden soll. Ähnlich mag es mit den Schnittstellen für Bildschirme usw. aussehen.
Bei den Smartphones gilt wohl das gleiche, doch hier ist ein großer hungriger Markt, der gut bezahlt, während die Laptop-Arbeiter wohl in der Minderheit stehen.

However … wichtig ist: Ich habe jetzt einen ARM-Laptop.

Der PI-TOP 3

Der PI-TOP ist tatsächlich ein etwas leer wirkendes Laptop-Gehäuse, also Bildschirm, Tastatur, Touchpad und Akku.
Wenn man aber die Tastatur herausklappt, und links in seinem “Hohlraum” einen Raspberry PI 3B als neues Herz verbaut, wird daraus ein vollständiger und funktionsfähiger Laptop.

PI-TOP-3

Ist der RPI verschaubt, wird ihm eine PIN-Brücke samt Kühlkörper aufgesetzt, der seine PINs zu einem Adapter weiterleitet, wo ein Breadboard auf einer Magnetschiene angedockt werden kann. HDMI wird für den Screen “abgegriffen” und der Audio-Anschluss wird hinten am Gerät hinausgeleitet. Eingebaute Lautsprecher hat der PI-TOP leider nicht.

2 der 4 USB-Ports werden abgezwackt, vermutlich für Strom, Tastatur und Maus, wobei man intern einen USB-Port wieder zurückbekommt.

Neben dem Breadboard bleibt dann noch etwas Platz um “Zeug” in das Gehäuse zu legen. Und davon wird auch schon einiges mitgeliefert. Nämlich ein paar Widerstände, Steckbrücken und ein Ultraschallsensor.
Natürlich kann man das Breadboard und das “Zeug” auch herausnehmen und so etwas Gewicht einsparen, oder etwas anderes hineinpacken.

PI-TOP-3-Open

Im Lieferumfang ist auch eine 8GB SD-Karte mit der Raspbian Variante “PI-TOP OS” enthalten. Ich muss aber sagen, dass ich damit ein paar Problemchen hatte und so habe ich das OS durch das übliche Raspbian ersetzt, welches weniger RAM verbraucht und auch schnell bootet.

Fazit

320 Euro kostet das Laptop Gehäuse und wenn man von seinem grellen Grünton mal absieht, ist es ein ordentliches Stück Hardware. Natürlich ist es kein High-End Teil, sondern eben nur Plastik, aber dafür gut ausgeführt.
Und natürlich kann man sowohl das RPI-Board wie auch die SD-Karte leicht tauschen.
Die aufklappbare Tastatur macht den Hardwaretausch zu einer Angelegenheit von wenigen Minuten, während man beim Zerlegen eines normalen Laptops schon mal bis zu einer Stunde braucht, um z.B. die Festplatte zu tauschen.

Der größte Nachteil: Der neue Raspberry PI 4 passt nicht hinein.
Was auch logisch ist, schließlich wurde das Board-Design geändert. Nur leider wird es wohl in nächster Zeit keinen Laptop als PI-TOP 4 geben, denn unter dem Namen PI-TOP-4 verkauft die Firma ein anderes Produkt, das den RPI-4 anders einsetzt, aber eben nicht mehr als Laptop.

Doch auch der RPI-3B+ ist ein gutes Board, mit dem man super programmieren und auch ein paar Office-Aufgaben erledigen kann. Mit ein paar Zusatztools für Windows-RDP oder Arduino IDE wird daraus ein guter Wegbegleiter, lediglich Webanwendungen sind mit der CPU heute nicht mehr möglich. “Gut programmierte Seiten” wie OpenGATE.at sind natürlich kein Problem, doch die heutigen mit jQuery und anderen Werbescripten verseuchten Seiten bereitem dem RPI-3 dann doch etwas Kopfweh bzw. Wartezeiten.

Alles in allem bin ich damit zufrieden und nutze das handliche Teil gerne auch im Bett weiter. … also endlich liege ich auch mal mit einem ARM System in der Kiste. War doch schon lange überfällig … ;)


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!