Schuhkarton für Weihnachten

Im ersten Harry-Potter Film beschwerte sich Cousin Dudley lautstark über das Unrecht an seinem Geburtstag NUR 36 Geschenke bekommen zu haben. Schließlich waren es im Vorjahr 37.

Nun, die Zahl mag vielleicht übertrieben sein, aber kennen wir nicht alle mindestens eine Szene, wo sich Beschenkte darüber beschweren, dass sie zu gering beschenkt wurden?

Und dann gibt es - wie ich erfahren habe - in meinem Heimatbezirk eine stille Zahl von Kindern, die gar keine Geschenke bekommen …


Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter bekommt man schnell das Attribut zugeschrieben “aus sozial schwachen Verhältnissen” zu stammen.

So habe ich es allerdings nie erlebt. Im Gegenteil. Es gab in meiner Kindheit jedes Jahr einen Weihnachtsbaum und es lagen IMMER mehr als ein Päckchen mit meinem Namen darunter.

Wie anstrengend das damals für Mutter gewesen sein mag, kann ich mir heute “zum Glück” nicht vorstellen, denn es stimmte schon, viel Geld war nicht da. Trotzdem reichte es - auch Dank Mutters vorausschauender Handhabung - dass zu jedem Anlass auch Geschenke dabei waren.

Und ich habe damals ganz bestimmt nicht die nötige Dankbarkeit an den Tag gebracht, weil ich gar nicht bemerkte habe, dass mir NICHTS gefehlt hat. Deshalb sollte ich es heute nochmal tun:

Danke, Mama!


Und deshalb erscheint es mir unvorstellbar, dass in unserer Gesellschaft Menschen leben, denen es nicht so gut geht wie mir damals. Wenn Elternteile versterben oder durch Unfälle arbeitsunfähig werden, wenn sie vor Krieg und Zerstörung geflohen sind, dann wird der letzte Cent in Socken oder ein T-Shirt investiert.
… für den Luxus eines Spielzeugs am Weihnachtsabend bleibt dann leider nichts übrig.

Um so mehr freut es mich daher, dass in Wien einige Hilfsorganisationen dazu aufrufen, Kindern dennoch ein schönes Fest zu bereiten.
Schließlich ist es nicht besonders schön, wenn alle im Kindergarten oder der Schulklasse erzählen, was sie alles bekommen haben, und man selbst leer ausgegangen ist und dann beschämt am Gespräch nicht teilnehmen kann.

Und eine solche schöne Aktion dieser Art heißt ganz banal “Schuhkarton-Aktion”.

Sozialarbeiter befragen dabei eben solche Familien, was sich die Kinder wünschen würden und daraus erstellte Geschenkelisten werden dann von großherzigen Vereinen “abgearbeitet”.
Aus direkten Spendengeldern oder den Einnahmen von Flohmärkten mit gespendeten Artikeln werden die Geschenke dann gekauft und in einfachen Schuhkartons verpackt.
Das besondere an den Schuhkartons ist vor allem deren Verschönerung mit Geschenkpapier, woran die Vereinsmitglieder mit Herzensliebe basteln.


Es freut mich ehrlich sehr zu sehen, dass wir auch in der Großstadt solche Aktionen haben, wo sich die Menschen gegenseitig helfen.
Denn selbstverständlich ist soetwas nicht.

Traurig macht mich daran leider, wenn ich Dinge lese wie:

  • Junge, 12 Jahre, hätte gerne neue Federmappe
  • Mädchen, 14 Jahre, irgend etwas zum Anziehen, Größe X

Wow, der wichtigste Wunsch von diesen Kindern sind Schulsachen oder Kleidung, und nicht das “bloody Action-Pack Delux” für die neue 1000 Euro Konsole.

Da denke ich mir, dass ich eigentlich wohlstandsverwahrlost bin, wenn ich so dasitze und überlege, was ich mir denn sonst noch alles kaufen könnte…

Liebe Freunde und Kollegen.

Vielleicht habt ihr das eine oder andere Geldscheinchen in eurer Börse, dem ihr einen Sinn geben wollt. Dann nehmt es bitte heraus und gebt es einer solchen Aktion. Und ihr werdet sehen, das Scheinchen wird euch nicht fehlen, doch dafür einer anderen Familie eine Freude machen, die fehlen würde, wäre das Scheinchen nicht auf Wanderschaft gegangen.

Und einen ganz besonderen Dank muss ich den Betreibern solcher Aktionen ausrichten. Jenen Leuten, die in ihrer Freizeit zusammenkommen, Geschenke kaufen und dann schön verpacken.

Diesen guten Seelen, die an “fremde” Kinder denken und ihnen helfen, gilt mein tiefer Respekt.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!