Mixed-Reality: Im Minecraft-Wohnzimmer

Dieser Spontankauf einer Lenovo-Explorer VR-Brille leitete natürlich ein paar Folgekosten und Umbauarbeiten ein, doch am Ende landete ich dann doch in meinem virtuellen Holographic-Wohnzimmer.

Die projizierte Landschaft draußen sieht besser aus, als die mit Apps-behängten Wände und die herumschwebenden Stein-Inseln erinnern fast ein bisschen an Aincrad aus Sword Art Online.

Wirklich lustig sieht Minecraft aus, man sitzt dann in einem Minecraft-Wohnzimmer mit Glowstone an der Decke und die eigentliche Spielwelt hat man in einem übergroßen Bilderrahmen vor sich.

Aber zurück zum Anfang.
Als Microsoft Hololens mit Windows 10 so um 2015 ankündigte, war das schon interessant. Doch bisher empfand ich das eher als Tribut an die Gaming-Industrie.

Interessanter ist für mich eher, wie sich die Integration einer solchen Technologie in unsere klassische Desktop-App-Welt gestaltet.

Also ab in den Laden und ein “leistbares” Alternativgerät gekauft. 400 € für den Explorer sind gegenüber 3000 € HoloLens ja verkraftbar.
Natürlich habe ich nicht im entferntesten daran gedacht, dass man auch die entsprechende Hardware zu Hause haben muss, und so musste nach dem ersten Fehlschlag eine DirectX-12 Grafikkarte nachgekauft werden, weil die übliche Onboard-Grafik meines PCs den Anforderungen der Brille nicht gewachsen war (zumindest der Treiber).

Mit der neuen Karte musste dann nochmals am BIOS nachgearbeitet werden, dass die Onboard-Grafik sich nicht automatisch abschaltet weil eine andere Karte entdeckt wurde. Zum Glück ließ sich die Einstellung schnell finden und nun hat die Brille ihre ganze eigene Karte für sich allein.

Windows 10 erkennt die Geräte zum Glück und installiert sich alles selbst, was es braucht. Das dauert zwar ein bisschen, aber dann öffnet sich schon die Mixed-Reality App automatisch. Die beiden Controller für die Hände brauchen Bluetooth und auch hier hatte ich noch so ein kleines USB-Teil in der Lade liegen. Dass man einen Pair-Button 15 Sekunden drücken muss, der sich unter dem Batteriedeckel befindet, musste ich erst nachlesen, nachdem ich vorher 15 Minuten selber vergeblich alles ausprobiert hatte, um die Dinger mit dem PC zu verbinden.

Zur Kritik: Es liegt wohl an meinem Kopf, meinen Augen oder meiner Nase, aber so wirklich gut passt mir das Ding nicht. Wenn ich am besten sehen kann, liegt die Brille so schwer auf meiner Nasenspitze, dass ich nur mehr schwer durch sie atmen kann.
Wie auch immer, mit etwas herumprobieren findet man dann doch eine Zwischenlösung, wo man zumindest im Zentrum alles vernünftig scharf sieht und die Nase noch ein bisschen Luft durchlässt.

Gaming dürfte recht witzig damit sein, aber da ich außer ein bisschen Minecraft und meinen uralten RPGs aus der SNES und Pokemon Zeit wenig am PC spiele, ist das dann doch nur ein netter Nebeneffekt.

Spannend finde ich, dass alle UWP Apps out-of-the-box im virtuellen Landhäuschen funktionieren, egal ob man sie an die Wände oder den freien Himmel hängt.
Dass Desktop-Programme fehlen schmerzt mich zwar etwas, aber damit war zu rechnen. Wobei mir da gleich eine nette Idee für eine neue App käme, über die man den Desktop in eine UWP-App projiziert … ach wahrscheinlich gibt es sowas auch schon … aber egal.
Dafür kann man aber beliebige 3D Objekte überall hinstellen. Von Sauriern bis hin zu übergroßen Cheeseburgern.

Update: Ich habe offenbar die “Desktop-App” übersehen. Die zeigt einem den Windows Desktop als VR-App an. Aber wirklich arbeiten kann man damit leider nicht. Vor allem weil es keinen brauchbaren Ersatz für die Maus gibt … also zur Zeit gibt es kein live C++ Programmieren in der virtuellen Welt … noch nicht …

VR-Screenshot VR-Screenshot

Ich ziehe aus diesem Experiment mal unmittelbar die Lehre, dass der Übergang zu UWP-Apps weiter fortschreitet und werde das natürlich in meine eigenen Entwicklungspläne einfließen lassen. Die Tatsache, dass es aus reinem C heraus doch recht umständlich ist für UWP zu entwickeln, soll aber kein Grund sein diese Plattform zu ignorieren. Schließlich wächst man ja mit seinen Herausforderungen … ;)

In Summe ist VR schon eine tolle Sache … denke ich. Zurückgeben werde ich die Brille jedenfalls nicht.


PS: Mein Traum nach einer Möglichkeit im Liegen zu Programmieren hat sich so nicht erfüllt. Lange Texte sind von der Schärfe her ein regelrechter Alptraum. Eine IDE müsste die Schriftgröße verdoppeln und dann müsste man viel Kopfakrobatik an den Tag legen um sich von Zeile zu Zeile zu schwingen.
Davon abgesehen müsste man dann die Apps an der Decke seines virtuellen Raumes anbringen … denn die Brille weiß ja, dass sie nach oben schaut.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!