Und wieder so ein Billig-Gameboy-Teil

Als kleiner Junge hätte ich mich vermutlich wie im Himmel gefühlt, wenn ich mir für 10 Dollar (also etwa 9 Euro, oder damals 120 Schilling) quasi jedes Monat ein neues digitales Spielzeug hätte leisten können.

Heute interessieren mich die Inhalte recht wenig, aber wenn so ein Teil so billig ist, wird es mitbestellt, damit ich es zerlegen kann.


Dank Raspberry PI Zero und dem Linux Derivat Retro-PIE lassen sich hunderte Spiele ROMs von NES, Gameboy und anderen alten Konsolen heute auf dieser 10 Euro Hardware spielen.

10 Euro?
Nö, nicht ganz, denn so viel kostet nur das Raspi-Board. Zum Spielen braucht man ja noch ein Display, ein Gamepad oder eine vergleichbare Schnittstelle, eine SD Karte für die Software und der Strom sollte ja auch noch einfließen können, also ein Netzteil.

Und schon sind wir bei mindestens 40 Euro für DIY-Kits aus Fernost, oder wir investieren einen Hunderter im Laden um die Ecke.

Die ROMs bekommt man ja im Netz kostenfrei … wobei ich mich immer wieder frage, wie es da mit den Lizenzen aussieht …

Und dann gibt es Angebote, wo ein kleiner Gameboy-ariger Kasten mit allem Drum und Dran auch nur um die 10 Euro kostet und dann auch noch damit wirbt 100 Spiele drauf zu haben.

Ein solches Teil habe ich nun bestellt und bin über den Inhalt erstaunt.

Retro Gameboy

Retro-Gameboy

Mein quasi-No-Name Retro-Gameboy kam mit vorinstallierten Spielen, die ich großteils alle nicht kannte. Es gab ein paar Arten von Super-Mario, und eine Menge 1 gegen 1 Kampfspielchen. Ich denke, dass vieles davon chinesische Nachahmungen von bekannten Titeln sind.

Einen Eintrag kannte ich aber gut: Dr. Mario und damit hatte ich auch Freude, als ich es auf dem Gerät anspielte. Da es keine externe SD-Karte oder etwas ähnliches gab, konnte ich aber keine eigenen ROMs nachladen.

Die Frage war also:

Worauf laufen diese Spiele?

Also schraubte ich das Plastikteil auf. Nachdem Display, Lautsprecher und Platine eng miteinander verkabelt waren, fotografierte ich nur mit meinem Endoskop in das Gerät um Bilder von der Chipaufschrift zu erhalten und schraubte das Teil wieder zusammen.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich leider nur den Flashspeicher Chip abgelichtet hatte und nicht die CPU wie ich dachte.

Retro-Gameboy Flash Chip

Unter M36LOR705 findet man ein paar Infos zu diesem Bauteil, und nun weiß ich zumindest wo die Spiele abgelegt sind.
Schade, denn eine interne microSD Karte oder etwas anderes leicht entfernbares hätte mir einen schnellen Einblick verschaffen und eine Möglichkeit zum Upload weitere Spiele ermöglichen können.

Fazit

Naja … eine kleines Gerät mit schönem Display und zumindest einem bekannten Spiel zum Zeitvertreib. Hätte mehr sein können, aber ist desthalb auch nicht schlecht.

Ich werde das Teil vielleicht ein anderes Mal wirklich zerlegen und die Platine vom Display lösen.
Vermutlich befindet sich auf der anderen Seite der Prozessor, damit ich einen Eindruck erhalte, auf welcher Architektur die Spiele laufen.

Denn zumindest bei Dr. Mario möchte ich wetten, dass es eine ROM-Emulation ist … und das bedeutet hier wurde vermutlich ein OpenSource Emulator eingesetzt.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!