Aus China bestellen oder im lokalen Laden kaufen?

Der von mir schon oft gebrachte Spruch

Wer billig kauft, kauft teuer.

(und den ich natürlich von einem Kollegen geklaut habe) mag durchaus seine Berechtigung haben.

Und wenn ich mir einen Arduino UNO beim Elektronikhändler um die Ecke für 20 bis 25 Euro anschaue, dann frage ich mich immer, was der große Unterschied zu den Angeboten um 2.5 bis 3 Euro aus Fernost ist. Denn selbst mit 1 bis 3 Euro Versandgebühren (wo wir dann bei maximal 6 Euro insgesamt wären) ist der Preisunterschied natürlich gewaltig.

Als ich vor einigen Jahren die kleinen Experimentier- MCUs entdeckte, kaufte ich sie natürlich zum hiesigen Preis.

Heute bestelle ich gelegentlich gleich 3 - 5 Stück um die gleiche Geldsumme aus dem Reich der Mitte und lasse sie mir zusenden.

Ein Nachteil des Versands sind die Wartezeiten. Unter 2 Wochen habe ich nie etwas bekommen, und um Weihnachten herum dauert es dann sogar etwas über einen Monat.
Im Laden bekommte ich natürlich alles, was vor Ort ist, sofort.

Aber unter den wichtigsten Kriterien befindet sich die Qualität.
Und da fällt der Vergleich schwer.

Wenn es um Bauteile geht, also Dioden oder Mikrocontroller sind die Preisunterschiede gar nicht so groß. Also beim Angebot, dass man 50 Dioden um 2 Euro mit 2 Wochen Wartezeit bekommt, oder man sie für 6 Euro an der Ecke kaufen kann, da ist mir die Zeit diese geringe Differenz durchaus wert.
Und gefertigt werden beide Produkte vermutlich in der gleichen Fabrik.

Vergleicht man aber komplexere Projekte, wie z.B. das UNO Board, dann erscheinen mir die 20 Euro lokal gegenüber den 6 Euro (inklusive Versand) schon etwas viel.

Doch was man erhält ist dann doch nicht so ganz “gleichwertig”.

Denn während der teuere Original-Arduino geschützt verpackt samt Handbuch mit Links zu kinderfreundlichen Beispielanwendungen kommt, landet die günstige Postsendung in Bubblesheets umwickelten Plastiksäckchen im Briefkasten.

Da kommt es eher selten vor, dass kein Pin verbogen ist und die erste Arbeit beginnt dann mit dem Geraderichten mit einer Pinzette. Das ist aber nicht so schlimm und schnell erledigt.

Ärgerlicher ist es, wenn die Pinheader selbst im Schnell-schnell-Verfahren schief angelötet sind - und das kommt immer wieder mal vor.
Vielleicht liegt es an mir oder an meinem Equipment, doch ich konnte bisher noch keinen ganzen Pinheader auslöten, ohne dabei Schaden anzurichten.
2-3 Pins nebeneinander kann man noch halbwegs gleichzeitig aufheizen und entfernen, doch bei 5-8 Stück bekommt man das nicht mehr so einfach hin.

Neulich löste sich bei mir auf so einem Pfusch-Board sogar eine Leiterbahn mit dem Pin ab, womit zumindest diese Leitung faktisch zerstört war und auch nicht mehr “gerettet” werden konnte.

Tatsächlich ist es immer noch rentabel, sich statt einem Teil gleich 3 schicken zu lassen. Das kostet immer noch weniger, als eines bei uns im Laden und die Chance, dass mindestens 1 bis 2 davon korrekt zusammengebaut sind, ist damit hoch, und das 3. ist eventuell eben Ausschuss.

Fazit

Ja, in unseren lokalen Läden findet man sicher ein hohes Maß an Qualität, doch das kostet eben extra.
Und ich würde jedem Anfänger eher dazu raten, mit einem “ordentlichen” Stück Hardware aus der direkten Umgebung zu beginnen.
Die paar Euro mehr garantieren eben eine ordentlich funktionierendes Gerät.

Mit steigender Erfahrung und erhöhtem Bedarf an Bauteilen (die man ja auch mal versehentlich im Experiment zerstört), ist der Griff zum günstigen Angebot natürlich wesentlich wirtschaftlicher und man kann kleinere Problemchen schließlich auch selbst korrigieren.

Eines darf man natürlich nicht vergessen: Die Produktvielfalt ist bei den großen Anbietern in der Ferne natürlich wesentlich größer, als bei uns.

Natürlich würde ich mir wünschen, dass die Halbleiterfabrik gleich um die Ecke stünde und damit preiswerte Teile prompt parat wären … doch so lange dem nicht so ist, bleibt einem oft nur das Bestellformular … oder man wartet das eine oder andere Jährchen, bis es die Chips in High-Quality-Verpackung und mit Prüfsiegel auch in die Läden zu uns schaffen.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!