Internet und Urheberrecht

Es ist (schon wieder) soweit! Das Internet wird gesperrt, vernichtet, privatisiert und verstaatlicht.

Leider verliert man als einfacher Bürger den Überblick, was ständig am Zusammenbrechen ist, weil kontinuierlich Panik von unterschiedlichen Strömungen verbreitet wird.

Heute bzw. morgen geht es um den Artikel 13, also der Urheberrechtsrichtlinie der europäischen Union.


Kurz gesagt, ich habe von Recht und Juristerei wenig bis keine Ahnung. Das mag eine Schwäche sein, aber ich habe mit ihr leben gelernt.

Während viele Informatiker hier ohne nachzudenken gleich

Nein! Widerstand! Zu den Waffen!

grunzen, bin ich hier bewusst vorsichtiger. Natürlich bin ich letztendlich absolut für den Verbleib des “freien Internets”, das nicht durch Zensur und Strafandrohung von Großkonzernen zersetzt wird. Doch andererseits muss auch der gefährliche rechtsfreie Raum in unseren virtuellen Nezten begrenzt bzw. aufgelöst werden.

Und wie so oft passiert vieles immer aus den falschen Gründen…

Urheberrechte und der Schutz des selbst geschaffenen geistigen Eigentums ist ein Grundrecht in allen anerkannten Demokratien.
Zum Glück sind die Zeiten, in denen alles (also wirklich alles) aus Gottes Gnaden einem König oder Kaiser gehört, ein für alle mal vorbei.

Von daher kann ich diverse “Piraten”-Bewegungen absolut nicht verstehen bzw. unterstützen, die stets einem falsch verstandenen Kommunismus nachlaufen, und notfalls per Gewalt garantieren wollen, dass alles allen gehört.

Wer etwas “erschafft”, soll auch die primäre Möglichkeit haben, daraus wirtschaftlichen Erfolg generien.
Und wer solche “Erschaffungen” stiehlt, als eigene Leistung deklariert und anstatt des tatsächlichen Urhebers Gewinne entwendet, hat wie ein Warendieb entsprechend geahndet zu werden.
… so viel zur Theorie.

ABER: Was ist heute eine echte “Neuerschaffung” und vor allem, wer urteilt bzw. bewertet für uns alle Fälle.

Historiker haben meines Wissens heute festgestellt, dass Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz beide ziemlich gleichzeitig die Differentialrechnung “erfunden” haben. Beide kamen mit unterschiedlichen Ansetzen zum gleichen Ergebnis.
Doch bis über ihren Tod hinaus entbrannte ein Rechtsstreit, wer von wem abgeschrieben und somit “geistiges Eigentum” geklaut hatte.

Hier beginnt das Dilemma, dass jeder der beiden als alleiniger Erfinder in die Geschichte eingehen wollte. Und auf dieser Ebene wird nicht mehr rational debattiert, sondern nur noch Machtge- und Missbrauch eingesetzt um die eigenen Ziele durchzusetzen.

Das Internet heute stellt eine Größe menschlicher Einzelerfindungen dar, wie es sie in der Geschichte noch nie gegeben hat.
Wer maßt sich also an, hier als gott-gleicher Richter zu urteilen, wer was wann wie “erfunden”, und wer was wann wie “gestohlen” hat.

Und solche Schlachten gewinnt in der Regel das stärkere Heer, und nicht die versprengte Gruppe gerechter und kreativer Idealisten.

Von daher war das “freie Internet” bisher eine der letzten Inseln der Seeligen, wo individuelle Gedanken ohne Gift und ohne Dünger wachsen konnten, ohne dass Konzernvorstellungen sie verderben konnten.

Wenn es also zu Gesetzeszwängen kommt, die Internetplatformen vorschreiben jede mögliche “Urheberrechtsverletzung” im Vorfeld zu verhindern, ist jede “gerechte” Behandlung des Themas ausgeschlossen.
Es funktioniert einfach nicht, jede Zeile, jedes Foto und jeden Soundeffekt im Vorfeld zu prüfen.

Das Resultat sind halbfertige Content-Filter, die in vielen Fällen einfach nur “zufällig” entscheiden können, ob ein Inhalt nun eine Teilkopie oder deine neue Schöpfung ist, und diese Entscheidung wird dann unterwürfig und hochtrabend als “künstliche Intelligenz” angepriesen.

Und genau damit spielt man erst recht wieder den Mächtigen der Welt die Kontrolle zu, die sich “rechtlich” besser absichern können, als andere und “ihr” KI-Produkt besser vermarkten.

Trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass die ganze Debatte nur deshalb entstanden ist, weil leider auch viel zu viele Raubvögel im Netz unterwegs waren und es noch sind.
Und wenn ich mir manche “Programmierer” ansehe, die kein Bit ihrer “eigenen Werke” verstehen weil alles nur zusammenkopiert ist, muss ich schon eingestehen, dass ich mir auch so einen Masterknopf wünsche, der bei Betätigung die Betrüger auslöscht.

Doch Tatsache ist: So etwas existiert nicht.
Und bis weder Technik noch Politik so weit sind hier vernüftige Kriterien zur “Säuberung” der Netze auf die Beine zu stellen, ist auch jeder Gesetzevorschlag, der Anbieter vorverurteilt, als FALSCH abzulehnen.


Zur rechtlichen Sicherheit möchte ich mich von meinem eigenen hier geschriebenen Blog-Text distanzieren. Ich kann nicht ausschließen, dass einzelne Worte, Sätze oder Ansichten auch von anderen Menschen gedacht, geschrieben oder ausgesprochen wurden.

Diese Nachricht ist meine persönliche individuelle Meinungsäußerung. Elektronen und andere dritte, die diese Informationen übermitteln stehen nicht mit mir in Zusammenhang, noch teile ich automatisch deren Meinung, nur weil sie meine Meinung transportieren.

Bis ich auf Gegenteiliges verklagt werde und den Prozess verliere, definiere ich diesen Text als meine persönliche geistige Eigenleistung. Jeder freie Geist dieser Welt darf diese Gedanken teilen, ist aber rechtlich nicht dazu verpflichtet.

Wer sich für die Verbreitung meiner Gedanken rechtlich absichern möchte, kann gerne eine formale Lizenz dafür beantragen. Ich unterschreibe alles.

Und Vorsicht! Manche Nusskuchen KÖNNEN Spuren von Nüssen beinhalten! Und das Anziehen eines Superman-Kostüms befähigt den Träger NICHT zum selbstständigen Fliegen.

Diese Informationen waren gratis, zumindest derzeit noch.


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!