Mäuse mit und ohne Kugel

Mit der Aussage:

Der sieht auch weiße Mäuse…

wurde in meiner Kindheit gerne einem Menschen jeden weitere Zurechnungsfähigkeit aberkannt. Denn die bei uns verbreiteten Feld- und Spitzmäuse haben von grau bis braun viele Farben … aber keine ist weiß.

Es wird also mal Zeit etwas zurückzublicken, wie meine Computer zu ihren “Mäusen” kamen … und ich habe einige Beweise vor mir: Sie waren häufig weiß.


Mein erster gebrauchter Computer kam mit Zentraleinheit, Bildschirm und Tastatur aber ohne Maus. Windows 3.1 war zwar enthalten aber musste anfangs ohne “Zeigergerät” betrieben werden.

Wahrscheinlich ist das der Grund dafür, dass ich für viele Aufgaben auch heute noch Tastenkombinationen nutze, die keiner mehr kennt.

Fenster werden mit ALT+F4 geschlossen, MDI-Kindfenster mit STRG+F4. F10 oder ALT alleine wählen den ersten Menüeintrag aus, und mit den Pfeiltasten kann man die anderen Einträge selektieren. Die Tabulator-Taste wechselt zwischen den Controls eines Fensters hin und her, während mit ALT+TAB zwischen Fenstern gewechselt werden kann.

All das funktioniert von Windows 3.x bis Windows 10. Und Solitär hat die Sonderstellung, dass mit der Tastatur der Mauszeiger zwischen Karten hin und hergeschaltet werden kann um das Spiel auch ohne Maus spielen zu können.


Trotzdem: Eine Maus musste her.
Und somit wurde die erste wichtige Entscheidung fällig: Mit einer Taste oder mit zweien. Denn Anfang der 90er waren offenbar noch so veraltete Billigteile erhältlich. Zum Glück überzeugte ich Mama mir die etwas bessere mit zwei Tasten zu kaufen, obwohl ich Anfangs keine Verwendung dafür hatte.

Es war eine serielle “Kugelmaus”, also eine Mause, in der unten eine Kugel mitlief und Walzen und Rädchen für die X- und Y-Richtung weiterdrehte. Die Information wurde über ein einfaches serielles Signal über COM1 oder COM2 übermittelt. Ball-Mouse Wichtig war, dass sie “Microsoft-kompatibel” war und automatisch von Windows auf den COM-Ports gesucht wurde.

Die rechte Maustaste hatte tatsächlich früher fast keine Funktion. Man startete und aktivierte alles per Einfach- oder Doppelklick auf die linke (oder bei Ein-Tasten-Modellen auf die einzige) Taste.
Sogar einige DOS Programme wie EDIT, QBASIC oder MSAV nutzten einen Mauszeiger, falls ein entsprechender DOS-Treiber installiert war.

Als ich so gegen 1995 Visual Basic 4.0 erhielt bekam die rechte Maustaste plötzlich eine wichtige Funktion. Denn das neue VB setzte viele Eigenschaften vom angekündigten Windows 95 um und zeigte beim Rechtsklick auf ein Element ein “neuartiges” Kontexmenü an.

Serial-Mouse


Mit dem Wechsel auf Pentium und Pentium 2 Systeme tauchte um das Jahr 2000 immer häufiger der PS/2 Mausport auf, der serielle Mäuse schnell ablöste. Doch wie immer kaufte ich damals “aus Kompatibilitätsgründen” weiter noch serielle Mäuse, weil diese vorerst auf alten UND neuen Systemen einsatzfähig wurden.

Inzwischen waren Windows 98, NT 4 und teilweise schon Windows 2000 bei mir aktuell und dort eindeckte ich eine Eigenschaft von PS/2 Mäusen, die serielle Geräte nicht hatten: Die Bewegungen waren wesentlich flüssiger.

Es gab sogar ein eigenes Tool, das die PS/2 Maus-Abtastrate höher stellen konnte. Und das war dann mein wichtigster Grund endlich umzusteigen.

Doch schon in dieser Zeit fand bereits die nächste Umstellung statt. USB-Mäuse kamen auf den Markt, doch diese brauchten dennoch noch ein paar Jährchen, bis sie PS/2 Modelle in den Hintergrund drängen konnten.

Und wieder blieb ich hier bis etwa zum Jahr 2007 konservativ und blieb bei PS/2. Mit ein Grund war die Tatsache, dass ich inzwischen einige KVM-Switches angeschafft hatte, die auf PS/2 festgelegt waren, um mit einer Tastatur und einer Maus mehrere PCs zu bedienen.


Ach übrigens: Mein ältestes “Zeigergerät” habe ich erst später geschenkt bekommen, und zwar eine serielle Trackball-Mouse. Hier bewegt man nicht das Geräte auf dem Tisch herum, sondern dreht an der Kugel um den Zeiger auf dem Bildschirm zu verschieben.

Trackball


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!