Solarmodule Marke Eigenbau

Wenn man für 8 Euro 100 stromerzeugende Solarmodul Plättchen kaufen kann (0.5 Volt, 500 Milliampere, 0.25 Watt das Stück), warum kostet dann ein fertiges 5 V USB Versorgerteil ebenso viel?

Naja, die Plättchen zerbrechen schon bei geringem Druck und müssen daher rund-um versiegelt produziert werden … und schon wird das Endprodukt teuer.

Meine Frage war daher: Kann man das selbst auch hinbekommen?


Wie gut, dass einige Pioniere diesen Weg bereits ausgetreten haben und so musste ich nur ein YouTube Video durchlaufen lassen um zu erfahren, wie es funktioniert.

Also, man braucht:

  • Solarmodule
    Ich habe 100 Stück mit 39 x 39 mm mit einer Leistung von 0.25 Watt bei 0.5 Volt und angeblich bis zu 500 mA in Fernost um 8 Euro bestellt.
  • Tabbing Draht
    Zum Verbinden der Solarmodule, bei mir passten 1.8 Millimeter recht gut. Gabs auch um 4 Euro in China mitzubestellen.
  • Eine Kunststoffplatte als stabilisierende Unterlage
    Konnte im Baumarkt ein 1000x500x3 mm PVC Teil um 10 Euro bekommen. Es ließ sich recht gut mit einem Abbrechklingenmesser zerschneiden.
  • Epoxitkleber + Härtner
    Den verteilt man über die Module auf ihrer Unterlage um sie zu versiegeln. Den gab es auch im Baumarkt, wobei ich mich an den Preis nicht mehr erinnere … wird aber unter 20 Euro gewesen sein.

OK, erster Versuch. Los geht’s!

Vorsicht zerbrechlich!

Die Solarmodule sind in ihrer Rohform soetwas von zerbrechlich, dass man sie sprichwörtlich nur mit Samthandschuhen anfassen sollte.

Druck verkraften sie gar nicht. Ein bisschen zuviel Kraft beim Löten und schon brechen sie entzwei. Die Vakuumpumpe bei zu viel Lötzinn zerstört sie garantiert und auch Aufwölbungen oder Bodenunebenheiten sind Gift für Plättchen.

DIY Solar Module 01

Solarmodule zusammenketten

Ich habe mich entschieden jeweils 5 Module in Serie zu verbinden. Das ergibt in meinem Fall 2.5 Volt und verbraucht etwa 20 cm.

Die Idee wäre gewesen den Tabbing-Draht auf das Modul zu legen und einfach per Lötkolben “festzukleben”.
Doch das klappte bei mir nicht. Zwar war auf dem Draht Lötzinn der brav schmolz aber nie eine Bindung mit dem Modul einging. Auch aufgetragenes Flussmittel half nicht.

Ich musste also mit etwas “frischem” Lötzinn nachhelfen.
Dann war es kein Problem und der Draht verband die angrenzenden Module miteinander. Leider kames aber so auch zu einigen Aufwölbungen an Ober- und Unterseite durch die zusätzliche Lötmenge.

Am Ende waren jeweils der Pluspol (unten) mit dem angrenzenden Minuspol (oben) des Nachbarmoduls verbindunen.

Ein kurzer Test mit dem Multimeter unter einer Lampe bewies, dass die Module brav Strom erzeugten.

DIY Solar Module 02

Untergrund ausschneiden

Aus der Kunststoffplatte ließen sich recht unkompliziert Rechtecke ausschneiden, auf denen man die Module platzieren kann. Diese sollten einen Rand von 3-5 Millimetern rund um die Module freilassen.

In der Mitte einer jeden Platte erzeugte ich mit einem Schraubendreher eine Spur, in welcher die Tabbing-Draht-Unebenheiten versenkt werden konnten.

Ohne diese Maßnahme zerbrach beim ersten Versuch eines der Plättchen und damit war die ganze Arbeit umsonst.

Mein größter Fehler war allerdings die Rechtecke nicht ganz Herauszulösen sondern nur anzuritzen. Ich dachte man könne die Stücke dann einfach “ausbrechen”, doch das führte zu einer recht unregelmäßigen Bruchkannte, die eben nicht besonders schön aussieht.

DIY Solar Module 03

Module auf Untergrund kleben

Mit ein paar Tröpfchen Superkleber fixierte ich die verbundenen Module auf dem Kunststoffrechteck.

Jetzt war ein erster Test am Fenster fällig und ja, das Modul lieferte brav Strom (zwar nur die Hälfte an Milliampere wie angegeben, aber die Spannung stimmte dafür)

DIY Solar Module 04

Epoxitkleber anrühren

An der Stelle wurde es bei mir recht ungenau. Eigentlich sollte man die Mengen zwischen Epoxit und Härtner genau abwägen, doch ich besitze (noch) keine Grammwage für solche Zwecke.

Also schüttete ich so PI mal Daumen in etwa die Mischung 3:1 zusammen in der Hoffnung, dass es ungefähr passen sollte.

Nach etwa 10 minuten Umrühren waren ein paar Bläßchen zu sehen und ich ließ die Mixtur für etwa 50 Minuten einwirken.
Das Glas in dem die Substanzen vermischt wurden, begann sich dabei etwas zu erwärmen.

Module versiegeln

Den zähflüssigen Epoxitkleber verteilte ich nun auf den Modulen. Ich rollte mit einem eingetunkten Bleistift langsam und vorsichtig hin und her und verteilte so den Klebstoff gleichmäßig.

An einigen Stellen entstanden Blasen, die man aber leicht mit einem Zahnstocher aufstechen konnte, womit sich der Kleber von selbst wieder gleichmäßig verteilte.

Am Ende waren alle Module auf der Platte mit Kleber bis über die Kanten überzogen. Nun muss man dem Kleber bis zu 24 Stunden Zeit zum Trocknen und Verhärten geben.

Solarmodul fertig!

Meine Freude war groß, als am Folgetag die Module fast wie original gekaufte glänzten.
Der Epoxitkleber hat mit wenigen Ausnahmen alles überdeckt, war hart geworden und schützt die Module nun vor Druck von außen.
Biegen sollte man die Teile selbstverständlich nicht, denn einmal zerbrochen kann man die Dinger nur noch wegwerfen.

DIY Solar Module 05

Fazit

Es ist so was von geil! Ich konnte in vertretbarer Zeit meine eigenen Module bauen. Natürlich waren ein paar kleine Verunreinigungen im Kleber und es gibt auch ein paar Kannten, die nicht perfekt versiegelt sind.

Aber das waren ja auch erst meine ersten 10 verbauten Modulstücke. 90 weitere warten darauf verarbeitet zu werden.

Ich habe eine tolle Beschäftigung gefunden und möchte so meine Fenster in Stromgeneratoren verwandeln. Schließlich ist im Sommer bei mir sowieso immer verdunkelt wegen der Hitze … also warum soll man die Fenster dann nicht gleich mit Solarmodulen verdecken?


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!