Wahlen in den USA 2020

Was kümmert es einen Europäer, wenn in den Vereinigten Staaten um das Amt des Präsidenten gekämpft wird?

Nun, der Regisseur Uwe Boll meinte dazu in einer Gesprächsrunde rund um seinen Amerika-kritischen Film Rampage 2:

… weil ich will ja die (Amerikaner) attakieren, ich will, dass die ihr Verhalten ändern, weil nur die können am Schluss auch im wahrsten Sinne des Wortes die Welt retten … … die haben die Power die Welt zu zerstören, die haben die Power jedes andere Land platt zu machen…


Und Uwe Boll vertrat diese Meinung bereits 2014 und wetterte damals hart gegen Barack Obama und dessen Unfähigkeit wichtige Änderungen im Land umzusetzen. Die mögliche Wahl eines Donald Trump bezeichnete er damals als “beängstigend”.

Demokratie nur dann, wenn sie MIR dient

Wie es heute aussieht, hat der demokratische Kandidat Joe Biden die US-Präsidentwahl 2020 gewonnen und die nötige Anzahl an Bundesstaaten zu seinen gunsten gedreht, damit es zu keiner zweiten Amtszeit des republikanischen Präsidenten Donald Trump kommt.

Unabhängig von meiner eigenen politischen Meinung verstört mich jedoch der Umgang des Verlierers mit dem Ergebnis. Denn Donald Trump und die Republikaner verbreiten nun auf all ihren Kanälen, dass die Wahl sabotiert worden sei, denn es kann laut ihrer Meinung unmöglich ein Ergebnis entstehen, bei dem ihre Politik legal “abgewählt” werden würde.

Zwar gibt es bis dato keinen einzigen Beweis für diese Aussage, doch … und das zeigt uns leider die Geschichte … reichen bereits Gerüchte in bestimmten Gesellschaftsschichten aus, um die Gewaltbereitschaft zu stärken.

Der Waffenverkauf ist gestiegen und rechte bis ultrarechte Splittergruppen proben bereits den Aufstand, sollte die Wahl nicht so ausgehen, wie sie es gerne hätten.

Problematisch ist dabei, dass in diesem Jahr erstmals ein ausgedehntes Briefwahlsystem in den USA angewendet wurde. Und so wurden am Wahltag zuerst die persönlich abgegebenen Stimmen gezählt (womit eine Tendenz zum amtierenden Präsidenten angezeigt wurde) und anschließend kamen mehr und mehr Briefwahlstimmen hinzu, die den Demokraten die Mehrheit sicherte.

Da glüht der Aluhut!

Wären es nur “ein paar Spinner”, die es nun mal eben gibt, die hinter allem einen unsichtbaren Feind vermuten, könnte man solche Gesinnungen ignorieren. Doch wenn eine Partei, die knapp die Hälfte einer Bevölkerung vertritt, in der selbsternannten “ältesten Demokratie” plötzlich die Legalität von Wahlstimmen angreift, wird es gefährlich.

Ich habe mich nicht grundlos freiwillig in Wien als Wahlbeisitzer bei der Stadt gemeldet, denn ich wollte das System verstehen und auch Einblick “in die Demokratie” erhalten. Das mag vielleicht nicht 1:1 auf die USA übersetzbar sein, doch demokratische Wahlen laufen so transparent wie nur möglich für alle teilnehmenden Parteien ab. Jede kann ihre Beobachter entsenden und Stimmen auch ein 4. und 5. mal auszählen, wenn es wo Zweifel gibt.

Und wie man hört, haben auch republikanische Auszähler in den USA entgegen der Meinung ihrer Parteivorsitzenden die Legalität der Wahl bestätigt. Es gibt daher nur eine Wahrheit und die lautet:

Die Demokratie und das Wahlsystem funktionieren!
Es gibt keine groß angelegte Manipulation und die Ergebnisse drücken schlicht den wahren Willen der Bürger aus!

Es ist gefährlich die Grundfesten unserer Gesellschaft mit Zwietracht und übler Nachrede anzugreifen und Menschen aus puren Machtinteressen gegen jeden und alles aufzuhetzen.
… oder wie es schon in der Bibel hieß:

Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Ich bin daher maßlos enttäuscht, dass wir im 21. Jahrhundert in Praktiken des Mittelalters verfallen und jene mit Dreck bewerfen, die sich “für uns” einsetzen. Und das schlimmste für mich ist, dass es wiederum die Technik ist, die den Zerstörern nun einen breite Plattform bietet, ihr übles Werk zu verbreiten.


Ich weiß nicht, wie die Sache am Ende ausgehen wird und hoffe besorgt weiter auf das Beste.

Zum Glück erkenne ich in den Massen auch ein paar Anker des Anstandes, die sich bemühen, der Gesellschaft durch Rationalität Halt zu bieten.

David Kriesel, “der Xerox-Hacker” und Datenanalytiker hat bereits vor einem Jahr seinen Vortrag über Statistik und Dateninterpretation mit fast prophetischen Worten enden lassen, als er die “Empörung im Netz” als großes Problem charakterisierte:

Wenn wir es gemeinsam schaffen, dass wenigstens manche, die heute nichts besseres zu tun haben, als sich zu empören, im nächsten Jahrzehnt zur engagierten Analyse übergehen und dabei auch anerkennen, wenn was rauskommt, an das sie vorher nicht gedacht hätten, dann haben wir gesellschaftlich unglaublich viel gewonnen.

Und für diese Einschätzung, bin ich ihm und auch allen anderen positiven Mitkämpfern wirklich sehr sehr dankbar!

PS: Man soll mehr auf “das Gute” achten: Laut den Simpsons gibt es in Amerika keine Wahlmanipulation. Vielleicht in Ohio, aber nicht in Amerika!


Wenn sich eine triviale Erkenntnis mit Dummheit in der Interpretation paart, dann gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.
frei zitiert nach A. Van der Bellen
... also dann paaren wir mal eine komplexe Erkenntnis mit Klugheit in der Interpretation!

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